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Medizinische Forschung: Minderheiten werden zu selten in medizinische Studien einbezogen

Obwohl schon seit langem erwiesen ist, dass das Risiko, an bestimmten Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken, auch mit der ethnischen Herkunft in Zusammenhang steht, berücksichtigen die meisten Studien dies nur unzureichend. Dies ergab eine Literaturstudie von 72 Längsschnittuntersuchungen aus den USA und Europa, welche die Mediziner Meghna Ranganathan von der Robert-Wood-Johnson-Stiftung in Princeton und Raj Bhopal von der Universität von Edinburgh durchgeführt haben.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten in den Industrieländern als eine der häufigsten Todesursachen, auch über die Grenzen verschiedener Kulturen hinweg. Dennoch gibt es ethnische Unterschiede. In Großbritannien beispielsweise liegt die Todesrate auf Grund von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems bei Menschen, die ursprünglich aus Indien, Bangladesch, Pakistan oder Sri Lanka stammen, um die Hälfte höher als im landesweiten Durchschnitt. Bei Menschen aus Westafrika oder den Karibischen Inseln hingegen liegen die Todesraten weit unterhalb dieses Durchschnitts.

Um das Risiko verschiedener Bevölkerungsgruppen besser einschätzen zu können, müssten deswegen beim Studiendesign auch Informationen zum ethnischen Hintergrund der Probanden berücksichtigt werden. In den untersuchten Studien jedoch gab es nur selten Hinweise auf die jeweilige ethnische Abstammung der Probanden. Über die Hälfte der Untersuchungen hatte die ethnische Zugehörigkeit ihrer Studienteilnehmer überhaupt nicht berücksichtigt oder dokumentiert.

Elf Studien waren zudem in kleinen Städten angesiedelt, in denen viele ethnische Minderheiten im Vergleich zu Gesamtbevölkerung unterrepräsentiert sind. Zwölf bezogen sich explizit nur auf weiße Personen.

Nur zehn der aktuelleren Studien waren so konzipiert, dass mit ihnen der Zusammenhang von ethnischer Zugehörigkeit und dem jeweiligen Risikopotenzial der Patienten ermittelt werden konnte. Fünf Studien bezogen sich ausschließlich auf jeweils eine nicht-weiße ethnische Minderheit. Alle diese Studien wurden in den USA durchgeführt.

Besonders in Europa, so schließen die Wissenschaftler, hinke die Forschung in ihrem Studiendesign den eigenen Erkenntnissen noch weit hinterher. Um der zunehmend multikulturellen Zusammensetzung unserer Gesellschaften auch medizinisch gerecht zu werden, sei es darum unerlässlich, auch das Design von Längsschnittstudien den Gegebenheiten endlich anzupassen.

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