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Soziale Insekten: Minifliegen besitzen eigene Desinfektionssoldaten

Fransenflügler

Soldaten sind die wohl bekannteste Kaste sozialer Insekten: Bei Ameise, Biene und Co schützen sie als Experten fürs Grobe ihr Nest und die Artgenossen gegen attackierende Feinde. Allerdings sind nicht alle Soldaten von Sozialinsekten ausschließlich rabiate Spezialisten, merken nun Andrew Beattie von der Macquarie University in Australien und seine Kollegen an: Die "Soldaten" einer wenig bekannten Insektenordnung, der winzigen fliegenden Fransenflügler, arbeiten nicht nur in der Heimatverteidigung, sondern auch als Hygieneexperten.

Die Forscher mutmaßen dies, nachdem sie männliche und weibliche "Soldaten" von Kladothrips intermedius in verschiedenen Laborversuchen studiert haben. Diese Spezies der Fransenflügler ist spezialisiert auf die Ausbeutung von Pflanzengallen, die ihr als Heimatbasis und sichere Nährstoffquelle dienen. Das weckt allerdings Begehrlichkeiten bei Verwandten wie Koptothrips dyskritus, einem Fransenflügler, der die erschlossene Nährstoffquelle unterwandern möchte, um daran zu schmarotzen. Dagegen setzt Kladothrips die sterile, dafür aber insgesamt etwas größere und mit wuchtigeren Extremitäten ausgestattete Kampfkaste: Beobachtungen in freier Wildbahn zeigten, dass diese Fransenflügler den Gegner packen und verbeißen können.

Fransenflügler | Die unscheinbaren, aber manchmal massenhaft auftretenden kleinen Fransenflügler (oder Thripse) zählt der Fachmann zum "Luftplankton". Einige Arten haben sich zu sozialen Insekten mit einer Arbeitsteilung entwickelt – zum Beispiel die an Pflanzengallen naschenden Kladothrips-Spezies.

Merkwürdigerweise kämpfen die "Soldaten" aber gar nicht effizienter als zum Beispiel die fortpflanzungsfähigen Gründertiere einer Pflanzengallensiedlung, wie Experimente belegen. In gut 200 von Beatties Team veranstalteten Arenakämpfen zwischen Soldaten und Schmarotzern zeigte sich überdies, dass Überlegenheit nicht mit der Größe der Tiere oder ihrer Extremitäten korrelierte; zudem kämpften die sterilen weiblichen und männlichen "Soldaten" gleich erfolgreich, eine Geschlechterspezialisierung innerhalb der Kaste kann also ausgeschlossen werden.

Die Forscher vermuteten deshalb eine weitere, bisher übersehene Aufgabe der nur mittelmäßig kampfbegabten Fransenflüglersoldaten: die Bekämpfung von gesundheitsschädlichen Keimen durch eigens produzierte Fungizide. Tatsächlich ergaben weitere Versuche, dass Pilzpathogene wie Cordyceps bassina in der Gegenwart der "Soldaten" deutlich schlechter gediehen. Aus den Soldateninsekten ließen sich denn auch deutlich höhere Konzentrationen an Antimykotika pro Gramm Körpergewicht des Fransenflüglers isolieren.

Die "Soldaten" entstanden demnach im Lauf der Evolution wohl als Gesundheitspolizei, vermuten die Forscher deshalb – sie arbeiten mit Fungiziden gegen die Pilze, die alle Fransenflügler wohl schon seit der Entstehung der Insektenordnung bedroht haben. Ähnliche Hygienekasten kennen Insektenforscher auch bei anderen sozialen Gruppen, etwa den Termiten. Warum die gegen Verpilzung arbeitenden "Soldaten" der Fransenflügler insgesamt stets größer wachsen, bleibt indes unklar – weitere Versuche, so das Team, müssen dies erst klären.

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