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News: Minischweine im Diättraining

'Friss die Hälfte', Kartoffeldiät, Trenn-Kost? Sie haben alles schon einmal ausprobiert und nehmen trotzdem nicht ab? Der Arzt rät in solchen Fällen wohl zu mehr Bewegung. Denn richtig abnehmen kann man nur, wenn man sich gleichzeitig auch bewegt. Darf man bei ausreichend Bewegung auf jede Zurückhaltung beim Essen verzichten? Dieser Frage gingen jetzt amerikanische Biochemiker nach, indem sie Minischweine bei spezieller Diät einem Bewegungstraining aussetzten und deren Fettstoffwechsel untersuchten.
Die Fettzellen, die Energievorräte des menschlichen wie tierischen Körpers, häufen viel aufgenommene Kalorien an. Durch Bewegung und Sport werden sie sensibler für die ausgeschütteten Hormone, wie beispielsweise das Epinephrin, die ihnen dann auftragen, ihre Energievorräte zur Verfügung zu stellen. Dieser Prozess wird Lypolyse genannt und bewirkt, dass bei ausreichender Bewegung schließlich die Fettzellen schrumpfen und der Körper weniger fettleibig erscheint. Von dem natürlichen Hormon Adenosin denkt die Wissenschaft, dass es die Lypolysis behindert, um so dafür zu sorgen, dass der Körper immer genügend Energie – in Form von Fett – über hat. Man weiß heutzutage, dass Bewegung und Sport die Antwort der Zellen auf Adenosin abschwächen, indem die Rezeptoren für dieses Hormon verringert werden. Diese Erkenntnis gewann Gale Carey von der University of New Hampshire bereits 1994. In ihrer neuesten Arbeit bezog sie den Faktor "Ernährung" mit in die Betrachtung ein und kam nun zu der Erkenntnis, dass übermäßiger kulinarischer Genuß den Abbau von Köperfett durch Bewegung stark behindert (Journal of Applied Physiology).

Um den Effekt hochkalorienhaltiger, aber fettarmer Nahrung auf den Fettstoffwechsel zu untersuchen, bediente sich die Biochemikerin mehrerer Miniatur-Schweine. Diese sind hervorragend für eine solche Untersuchung geeignet, weil ihr Stoffwechsel dem des Menschen stark ähnelt und sie auch Blutentnahmen und Gewebeproben ohne Gesundheitsschäden überstehen. Die 24 Schweine teilte sie in vier Gruppen ein, von denen zwei mehr Nahrung bekamen als die anderen, und zwei sich kräftig bewegen mussten. Die Schweine, mit mehr verordneter Bewegung mussten fünfmal in der Woche für 45 Minuten in eine Tretmühle, während die auf "Diät gehaltenen" Tiere 25 Prozent weniger Nahrung bekamen als die anderen. Nach drei Monaten unterzog die Wissenschaftlerin die Schweine einer Untersuchung namens Mikrodialyse, bei der unter anderem auch eine kleine Sonde direkt in das Fettgewebe der Tiere gepflanzt wurde, um das Gewebe unter echten Lebensbedingungen zu testen. Weiterhin entnahm die Biochemikerin kleine Fettproben, so dass sie die Zellgrößen und die Anzahl der Rezeptoren für Adenosin feststellen konnte.

Dabei fand sie, dass die "trainierten" Schweine mit Diät-Ernährung kleinere Fettzellen mit weniger Adenosin-Rezeptoren hatten, und dass sie ihre Fettreservoire schneller abbauen konnten, als die anderen – auch als jene mit großzügiger Ernährung und Bewegung. Im Vergleich mit den unbewegten, stark gefütterten Schweinen hatten diejengen mit Diät und Bewegung um 42 Prozent weniger Adenosin-Rezeptoren, die wohlernährten mit Bewegung lagen mit 14 Prozent schon bedeutend schlechter.

Das lässt den Schluß zu, dass Völlerei den Effekt der Bewegung abschwächt. "Wir nehmen an, dass der Körper auf den überhöhten Epinephrin-Spiegel während körperlicher Belastung mit der Freisetzung von Adenosin reagiert, um die Zellen davon abzuhalten ihren Fettvorrat völlig abzubauen", sagt Carey. Aber die Fettzellen können sich diesem starken Signal doch nicht völlig widersetzen und beantworten die Adenosinausschüttung mit einer Reduktion der Rezeptoren. "Es ist, als ob man an einer großen Verkehrsstraße lebt und, um den Lärm zu verringern, Fenster und Türen schließt", erklärt die Biochemikerin. Sie hofft nun, dass ihre Erkenntnisse der Medizin von Nutzen sein werden, weil das Problem der Fettleibigkeit ein großes Gesundheitsproblem darstellt.

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