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Misophonie: Nerv-Geräusche können schon Kinder stark belasten

Viele Kinder und Jugendliche in psychischer Behandlung reagieren sehr empfindlich auf bestimmte Geräusche. Eine Studie zeigt, wie häufig Misophonie auftritt.
Ein Kind in einem orangefarbenen Hemd steht seitlich an einem Fenster und hält sich die Ohren zu. Es blickt nach draußen, während im Hintergrund unscharf Pflanzen zu sehen sind. Die Szene wirkt ruhig und nachdenklich.
Scheinbar alltägliche Geräusche wie das Klappen einer Tastatur oder das Schmatzen am Tisch empfinden manche Kinder als äußerst unangenehm.

Mit »Misophonie« bezeichnet man es, wenn jemand so empfindlich auf bestimmte Geräusche reagiert, dass dies im Alltag eine deutliche Belastung darstellt, zum Beispiel auf Schmatzen, Kaulaute oder Tastaturgeklapper. Die Störung ist keine offizielle Diagnose, wird aber seit einigen Jahren intensiv erforscht. Wie ein deutsch-österreichisches Team um die Psychologin Elisa Pfeiffer von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt nun herausfand, leiden auch schon viele Kinder und Jugendliche unter diesem Phänomen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befragten 214 Heranwachsende, die wegen unterschiedlicher psychischer Probleme in Behandlung waren. Davon gaben 90 Prozent an, dass sie mindestens ein Geräusch als stark belastend empfinden. Am häufigsten wurden Laute genannt, die beim Essen oder Atmen entstehen, außerdem Hintergrundlärm oder wiederholtes Klopfen oder Tippen. Rund einem Drittel der Teilnehmenden attestierten die Forschenden eine »wahrscheinliche Misophonie«.

Innerhalb dieser Gruppe waren psychische Symptome noch einmal deutlich erhöht, unabhängig von der Diagnose der Befragten: Misophone Kinder und Jugendliche wiesen höhere Werte von Angst, Depression, posttraumatischer Belastung und Zwang auf, waren psychisch insgesamt stärker beeinträchtigt und berichteten von einer niedrigeren Lebensqualität. Häufig traten ihre Probleme mit Geräuschen in der Schule zutage und gingen von Klassenkameradinnen und -kameraden aus.

Die Misophonie begann im Schnitt im Grundschulalter, etwa mit neun Jahren. Um mit der Belastung umzugehen, hörten viele Betroffene Musik über Kopfhörer oder verließen den Raum. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es zwar normal sei, manche Geräusche als unangenehm zu empfinden – dass bei Misophonie jedoch die Reaktionen sehr stark emotional ausfallen können und mit erheblichem Leidensdruck einhergehen. Daher sollte das Phänomen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gezielt erfragt werden, auch schon im Grundschulalter. Zudem gelte es, spezifische Behandlungsansätze für diese Altersgruppe zu entwickeln.

  • Quellen

Pfeiffer, E., BMC Psychiatry 10.1186/s12888–026–07 979–1, 2026

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