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News: Mission NEUROLAB startet

Am 16. April 1998 wird vom Kennedy Space Center in Florida das Space Shuttle Columbia zu einer 16-tägigen Weltraummission starten. Diese Mission steht ganz im Zeichen der neurowissenschaftlichen Forschung unter Weltraumbedingungen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie mehrere Partner aus Industrie und Wissenschaft sind mit drei Experimentanlagen an dieser Mission beteiligt; vier wissenschaftliche Experimente werden unter deutscher Leitung durchgeführt. Damit ist Deutschland im wissenschaftlichen Programm, das insgesamt 26 Experimente umfaßt, einer der wichtigsten Partner der NASA. Im Mittelpunkt des Interesses stehen Untersuchungen des Gleichgewichtssystems, der Entwicklung sensorischer Systeme und der neuronalen Plastizität.
Die Beteiligung an der NEUROLAB-Misson ist ein Meilenstein im langfristig angelegten deutschen lebenswissenschaftlichen Raumfahrtprogramm, das seit den ersten Experimenten an Bord von Apollo 16 (1972) kontinuierlich weiterentwickelt und in internationaler Abstimmung durchgeführt wird.

Die von den deutschen Wissenschaftlern für die NEUROLAB-Mission geplanten Experimente erweitern die bisher auf der Erde geleisteten Forschungsarbeiten und ermöglichen durch den Einsatz neuer Anlagen weiterführende Erkenntnisse im Weltraum, die in die Erforschung des Nervensystems generell und in die Diagnose und Therapie krankhafter Symptome auf der Erde einfließen werden.

In der Unterdruckanlage LBNP (Lower Body Negative Pressure Device) wird – in Kooperation mit drei amerikanischen Wissenschaftlergruppen – ein humanphysiologisches Experiment von Dr. Baisch vom DLR durchgeführt, das zu einem besseren Verständnis der Blutdruckkontrolle des Menschen führen soll. Von diesen Untersuchungen profitieren auch Patienten auf der Erde, die unter einer Fehlfunktion der Selbstregulierung des Blutdrucks und deshalb – z. B. nach raschem Aufstehen – unter anderem an Gleichgewichtsstörungen leiden. Den Bau der Anlage LBNP hat die Daimler-Benz Aerospace (Dasa) im Auftrag des DLR übernommen.

Das Experiment von Prof. Bock von der Deutschen Sporthochschule in Köln nutzt die von Kanada entwickelte und beigestellte Anlage VCF (Visuo-Motor Coordination Facility), um die Koordination von Hand- und Augenbewegungen und die benötigten Reaktionszeiten unter Weltraumbedingungen zu analysieren. Die Ergebnisse dieses Experiments sowie auch die Anlage selbst sollen wichtige Beiträge zur Verbesserung der Diagnose und Therapie von Bewegungsstörungen auf der Erde leisten.

Die Untersuchung des Einflusses der fehlenden Schwerkraft auf die Entwicklung des Schweresinnessystems und der Nervenbahnen bei Grillen wird im Inkubator BOTEX durchgeführt. Das Experiment unter Leitung von Prof. Dr. Horn (Universität Ulm) nutzt die Grille als ein "Modellsystem", das auch Rückschlüsse über die Entwicklung des Nervensystems und über krankhafte Zustände und Veränderungen des Gleichgewichts- und Schweresinnes bei höher entwickelten Organismen bis hin zum Menschen zuläßt.

Mit dem Mini-Ökosystem CEBAS (Closed Equilibrated Biological Aquatic System) wird die Auswirkung der Weltraumbedingungen – vor allem der Schwerelosigkeit – auf Physiologie, Morphologie und Biochemie von Fischen, Schnecken, Mikroorganismen und Wasserpflanzen untersucht. Insgesamt sind sechs deutsche und drei amerikanische Arbeitsgruppen an diesem komplexen Experiment unter der Leitung von Prof. Blüm (Universität Bochum), Prof. Becker (Universität Hamburg) und Dr. Wiederhold (Texas University) beteiligt. Die Wissenschaftler nutzen CEBAS auch als Modellversuch für größere bioregenerative Lebenserhaltungssysteme, um wichtige Erkenntnisse zur Optimierung solcher Systeme für Langzeitmissionen zu gewinnen. Weitere Anwendungsaspekte werden aus den Untersuchungen zur Schmutzwasseraufbereitung erwartet, die durch das biologische System geleistet wird. CEBAS wurde ebenso wie die Anlage BOTEX im Auftrag des DLR von OHB-System in Bremen gebaut.

Mit dieser starken Beteiligung an der vorläufig letzten SPACELAB-Mission setzt Deutschland sein biowissenschaftliches Weltraumprogramm in internationaler Kooperation fort. Damit sichert das DLR den Ausbau der in Deutschland vorhandenen Kompetenz in der Nutzung des Weltraums für medizinische und biologische Untersuchungen. Die deutschen Beteiligungen an der NEUROLAB-Mission sind auch ein weiterer Schritt in der konsequenten Vorbereitung der Nutzung der Internationalen Raumstation (ISS), deren Aufbau im Herbst dieses Jahres beginnen und bis 2003 abgeschlossen sein wird.

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