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News: Mit Ganzkörperanzug zur Goldmedaille

Während sich viele Zuschauer in diesen Tagen ohne vorbereitendes Training in den Olympia-Fernsehmarathon zu nachtschlafenden Zeiten stürzen werden, scheinen die Sportler selbst allmählich an die Grenzen des physiologisch Machbaren gelangt zu sein. Weil Doping-Kontrollen immer engmaschiger werden und die gestählten Körper ausgereizt sind, soll Hightech-Material das letzte Quäntchen Leistung freisetzen - so etwa ein Anzug, der schneller laufen lässt.
Die möglicherweise schnellste Sprinterin der Welt, Marion Jones, verbirgt ihre Reize unter einem besonderen Stoff. Neben ihrem Trainer begleitete sie ein ganzer Stab aus Designern und Wissenschaftlern während der Olympiavorbereitung. Mit Videokamera und Stoppuhr prüften sie die Vorteile, welche die neue Geheimwaffe – der so genannte Swift Suit – auf der Tartanbahn bringen soll.

Der "schnelle Anzug" umschließt die Supersprinterin eng wie eine zweite Haut. Zwei Jahre lang entwickelten und testeten Sport-Forscher und Ausrüstungs-Designer – unter anderem auch im Windkanal auf einer identischen Nachbildung der Läuferin. Dabei entlarvten die kleinen Rauchfahnen beispielsweise quasi lähmende Verwirbelungen an Nahtstellen. Die nächste Evolutionsstufe des hauchdünnen Nichts trug die Nähte daher auf der Körperrückseite.

Immer wieder musste Jones in der windstillen Sporthalle Bestzeiten hinlegen, um Unterschiede zwischen herkömmlicher Sportbekleidung und dem Swift Suit zu ermitteln. Inzwischen konnten die Sprint-Experten einen mathematisch verlässlichen Vergleich zwischen dem aerodynamisch zugeschnittenen Ganzkörperanzug und der Sportkonfektion von der Stange erstellen. Zwar schweigen sich die Wissenschaftler über den Tempo-Gewinn aus, doch erfülle das Stöffchen seinen Zweck und biete weitere Vorteile. "Wir achteten auf Bewegungsfreiheit und allgemeinen Tragekomfort. Dazu stimmten wir den Anzug mit vielen anderen Dingen ab", orakelt Rick McDonald von der Herstellerfirma. Dabei wurde sogar der Einfluss der Farbgestaltung auf die mentale Leistungsbereitschaft der Sportlerin nicht ausgelassen. Auch deckten Experimente auf, dass kleine, flügelförmige Schaumpolster in der Halsgegend zwar die Aerodynamik erheblich verbessern, doch fühlten sich die Sportler mit diesen Hermes-Attributen in ihren Bewegungen behindert – Die Polster fielen also weg. Nachdem die Wissenschaft ihr Möglichstes beigesteuert hat, um Gold gegen den Rest der Welt zu erringen, werden die letzten 100 Meter darüber entscheiden, wer siegt: Mensch oder Material.

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