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News: Mit Händen und tausend Füßen

Wenn es die Stechmücken in der Regenzeit mal wieder zu bunt treiben, greifen die südamerikanischen Kapuziner-Äffchen zu tierischen Maßnahmen - Tausendfüßern.
Wer schon mal in den Tropen war, kennt das Problem: Tausende von Stechmücken können einen um Blut und Verstand bringen. Während Menschen sich meist mit künstlich hergestellten Insekten-Abwehrstoffen gegen die Plagegeister zur Wehr setzen, haben südamerikanische Kapuziner-Äffchen einen anderen Trick, sich die allgegenwärtigen Blutsauger vom Leib zu halten: Sie greifen zu – Tausenfüßern. Mit diesen reiben sie sich ab und geben sie bei Bedarf auch an andere leidgeprüfte Artgenossen weiter.

Vorher, so konnten Forscher schon häufiger beobachten, quetschen und schlagen sie die Tiere. Die derart misshandelten Tausendfüßer versuchen sich durch Ausscheidungen giftiger Benzochinone zu verteidigen – in diesem Fall vergeblich. Doch nicht vergeblich für die Affen: Denn genau diese Giftstoffe könnten ihnen die lästigen Stechmücken vom Hals halten, mutmaßten Paul Weldon von der Smithsonian Institution in Front Royal und seine Mitarbeiter.

Um diese Vermutung zu überprüfen, boten die Forscher weiblichen Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) menschliches Blut in Behältern an, die sie mit Nylonmembranen verschlossen. Um an die unwiderstehliche Blutmahlzeit zu gelangen, mussten die Insekten die Membranen durchstechen, von denen einige mit verschiedenen Tausenfüßer-Benzochinonen bestrichen worden waren.

Und tatsächlich beobachteten die Forscher eine Mücken-abwehrende Wirkung dieser Stoffe: Die Mücken landeten seltener und verweilten kürzer auf den mit Benzochinonen bestrichenen Membranen als auf unbehandelten Kontrollgefäßen.

Diese nützliche Wirkung der Benzochinone haben die Kapuziner-Äffchen anscheinend schon lange erkannt: In Gefangenschaft lebende Tiere rieben sich spontan mit darin getränkten Tüchern ab, die ihnen Weldon probeweise anbot. Sie waren sogar so versessen darauf, dass sie beim nächsten Auftauchen des Zoologen ihren vertrauten Wärter verließen und mit ausgestreckten Händen auf Weldon zuliefen.

Und was lernt der Mensch diesmal von den Affen? Zumindest, dass er mit seiner Abneigung gegen die stechenden Blutsauger nicht allein auf der Welt ist. Doch ob man sich an den Äffchen ein Beispiel nehmen und ebenfalls auf die Verwendung dieser natürlichen Abwehrstoffe zurückgreifen sollte, bleibt fraglich – Benzochinone sind nicht nur giftig, sondern auch krebserregend. Und somit wahrscheinlich auch nicht besser als menschengemachte Insekten-Abwehrmittel.

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