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News: Mit Kopf und Fuß

In einer Höhle in Südafrika wurde ein fast vollständiges Skelett, inklusive Schädel, eines anscheinend 3,5 Millionen Jahre alten Vorfahren des Menschen gefunden. Die Knochen stellen den vollständigsten Satz hominider Überreste mit derart hohem Alter dar.
Der Fund wird für ein Skelett eines frühen Australopithecus gehalten und ist wohl noch älter als Lucy, der 3 Millionen Jahre alte Australopithecus afarensis, der 1974 in Äthiopien gefunden wurde. Damit ist es fast so betagt wie die 3,7 Millionen Jahre alten Fußabdrücke, die in der Nähe von Mary Leakey in Laetoli (Tansania) gefunden wurden. Den Wissenschaftlern zufolge, wird es noch ein Jahr dauern, bis der Fund völlig ausgegraben und im Stammbaum des Menschen eingeordnet sein wird.

Die Geschichte seiner Entdeckung könnte glatt aus einem Kriminalstück stammen. Wie Ron Clarke, Paläoanthropologe an der University of the Witwatersrand Medical School in Johannesburg, berichtet, fand er die ersten Hinweise auf das Skelett im Jahre 1994. Damals identifizierte er einige hominide Fußknochen in einer Sammlung fossiler Überreste von Tieren, die aus den Sterkfontein-Höhlen nahe Johannesburg ausgegraben wurden. Letztes Jahr fand er dann – in einem Lagerraum für Ausgrabungen an der Universität – einige Knochenfragmente von unteren Beinteilen, zu den Fußknochen paßten.

Clarke war überzeugt, daß das restliche Skelett noch in der entsprechenden Sterkfontein-Höhle sein müßte und beauftragte zwei Assistenten, in der Silberberg-Grotte sozusagen nach der "Nadel im Heuhaufen" zu suchen. In nur zwei Wochen fanden die Forscher ein Teil eines Beinknochens, das genau zu dem zuvor entdeckten Fragment paßte. Das Team stieß schließlich auf weitere Knochen sowie einen Schädel mit Zähnen und Kieferknochen, der zur Zeit noch ausgegraben wird.

Clarke äußert sich nicht dazu, wo genau diese Fossilien innerhalb der menschlichen Evolution einzuordnen sind. Seinen Worten nach haben die Knochen sowohl Affen- als auch Menschenmerkmale, was nahelegt, daß dieser menschliche Vorfahr sowohl Bäume erklettern als auch aufrecht gehen konnte. In Anbetracht seiner "wuchtigen" Wangenknochen und den Anzeichen für große Kiefermuskeln, entspricht der Schädel offenbar nicht den bekannten Exemplaren der "graziöseren" Variante des Australopithecus, der als A. africanus bekannt ist. "Trotzdem scheint es sich um eine Form des Australopithecus zu handeln", schreibt Clarke in der Oktober-Ausgabe 1998 des South African Journal of Science (Abstract).

Der Fund ist "außergewöhnlich bedeutend", erklärt Bill Kimbel, wissenschaftlicher Direktor des Institute of the Human Origins an der Arizona State University in Phoenix. "Was für eine wunderbare Sache, komplette Fossilien zu erhalten – der Traum eines jeden Forschers", fügt Alan Walker von der Pennsylvania State University in University Park hinzu. Wie Walker ausführte, kann das Skelett eine ganze Reihe von Fragen lösen helfen, zum Beispiel die nach den Proportionen der Gliedmaßen, der Beziehung zwischen Gehirn- und Körpergröße, der Fortbewegung und Lebensweise usw. Bislang beruhten solche Schlußfolgerungen nur auf Fragmenten von verschiedenen Exemplaren.

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