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News: Mit kurzen Beinen bummelt es sich besser

Was das energiesparende Gehen anbelangt, waren unsere frühen Vorfahren uns gegenüber im Vorteil. Das stellte zumindest eine US-amerikanische Anthropologin fest. Nach einem von ihr entwickelten Modell der Schrittbewegungen von Lucy brauchten unsere Ahnen beim gleichmäßigen Laufen wesentlich weniger Energie als wir. Lucy, ein Australopithecus, der in seiner Gestalt noch sehr affenartig wirkt, ist offenbar das letzte gemeinsame Bindeglied mehrerer Abstammungslinien von Hominiden.
Das berühmte, 3,18 Millionen Jahre alte Teilskelett von Lucy ist ein typischer Vertreter des Australopithecus afarensis. Im Gegensatz zum modernen Menschen, der sich durch lange Beine und ein schmales Becken auszeichnet, hatte der Australopithecus kurze Beine und ein breites Becken. Einige Anthropologen glauben, daß eben diese kurzen Beine das effiziente Gehen für Lucy unmöglich machten. Ihre Kollegin Patrizia Kramer von der University of Washington in Seattle stellte diese Vorstellung jedoch in Frage: Obwohl Lucy im Verhältnis zu uns mehr Schritte pro Zeiteinheit gehen müßte, um eine bestimmte Geschwindigkeit durchzuhalten, benötigten ihre kurzen Beine doch weniger Energie für die Bewegung, meint sie. Letztlich sei deshalb Lucy der leistungsfähigere Läufer.

Um diese Idee zu testen, benutzte Kramer ein mechanisches Modell von Giovianni Cavagna von der University of Milan. Anhand dieses Konzeptes konnten dann die für das menschliche Skelett und Lucy geltenden mechanischen Kräfte errechnet werden. Dazu setzte die Forscherin sowohl die menschlichen wie auch die australopithischen Bewegungen der unteren Gliedmaßen als annähernd gleich voraus. "Alle modernen Menschen gehen grundsätzlich auf die gleiche Art und Weise, und Lucys Gelenke lassen das gleiche vermuten", erklärte Kramer.

Die Wissenschaftlerin konnte ihre vorher angenommenen Vermutungen bestätigen. Obgleich Lucy mehr Schritte brauche, um die gleiche Distanz zurückzulegen, benötigt sie für jeden Spaziergang viel weniger Energie als wir (Journal of Experimental Biology vom 30. September 1999, Abstract) "Der energetische Vorteil ist nicht zu übersehen. Diese Analyse zeigte klar, daß Lucy nicht durch ihre kurzen Beine eingeschränkt war", faßte Kramer zusammen.

Aufgrund ihres Skelettbaus konnte Lucy nicht so schnell wie wir gehen. "Das ist ein Nachteil", sagte Kramer. Aber in diesen Tagen war die Umwelt auch viel üppiger und nahrungsreicher. Erst 2,7 Millionen Jahre später wurde das Klima trockener, so daß Hominiden mit längeren Beinen Vorteile hatten. Deshalb kamen diese frühen Menschen schneller voran und konnten sich schließlich zu Jägern und Sammlern entwickeln. Der Australopithecus hatte ein an seine Zeit angepaßtes Skelett, das ihn in keiner Weise einschränkte, schloß Kramer.

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