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News: Mit letzter Kraft

Die Nordlichter im Sommer 2000 haben wieder einmal gezeigt, wie dankbar wir für unsere Ionosphäre sein müssen. Sie ist Folge des irdischen Magnetfeldes, das tief im Inneren der Erde entsteht. Irgendwann war das auf dem Mars einmal ganz ähnlich. Heute finden sich hier nur noch regionale Felder, die immerhin kräftig genug sind, die Reste der Marsatmosphäre gegen die ionisierende Strahlung der Sonne zu schützen.
Gäbe es im Erdkern nicht die gigantischen Konvektionsströme, hätte das Leben auf der Erde wohl kaum eine Chance. Denn hier entsteht das irdische Magnetfeld, das weit in den Weltraum reicht und die Strahlung der Sonne ablenkt. Würde dieser Sonnenwind ungehindert auf unsere Atmosphäre treffen, hätte dies fatale Folgen: Die ionisierende Strahlung würde sie schlichtweg zerfetzen.

So geschehen auf dem Mars. Auch hier gab es – bis vor rund vier Milliarden Jahren – einen inneren Dynamo, der ein kräftiges Magnetfeld erzeugte. Doch die Mars Global Surveyor-Mission von 1996/97 ist noch immer für Überraschungen gut. Die Auswertung der Daten zeigte nämlich, dass es auf dem Mars bis heute lokale Magnetfelder gibt. Sie sind erstaunlich stark und verhindern, dass auch die letzten Reste der Marsatmosphäre im Weltraum verschwinden (Herbsttagung der American Geophysical Union vom 15. bis 19. Dezember 2000 in San Francisco).

"Unsere Daten zeigen zum ersten Mal, dass die Magnetfelder in der Marskruste für den Schutz der Atmosphäre vor dem Sonnenwind von entscheidender Bedeutung sind", meint David Mitchell vom Space Sciences Laboratory der University of California in Berkeley. "Diese Felder sind über die ganze Oberfläche verteilt und wirken wie Schutzschirme." Dies zeigte sich ganz deutlich, als der Mars Global Surveyor den Planeten auf einer 400 Kilometer hohen Umlaufbahn umkreiste. Immer wenn sich die Sonde über einem der kräftigen Magnetfelder befand, reichte auch die Ionosphäre des Mars bis in diese Höhe. "Die Korrelation ist eindrucksvoll, über diesen magnetischen Anomalien flog die Sonde fast immer durch Teile der Ionosphäre, während sie über Regionen mit schwachem Magnetfeld in 90 Prozent aller Fälle dem Sonnenwind ausgesetzt war."

Mitchell kann mithilfe seiner Daten auch zeigen, dass der Dynamo des Mars-Magnetfeldes vor vier Milliarden Jahren zum Erliegen kam. Als zu jener Zeit nämlich zahlreiche Asteroiden und Kometen die Marsoberfläche bombardierten, löschten sie Teile des Magnetfeldes aus. Wäre der innere Dynamo weiterhin aktiv gewesen, hätte er diese Regionen rasch remagnetisiert. Doch auf den Magnetfeldkarten erscheinen die Krater bis heute ohne Magnetfeld. Der Mars ist also schon seit der Zeit dem nagenden Sonnenwind ausgesetzt, als sich in der Erde gerade erst der Metallkern bildete – und damit unser Magnetfeld entstand.

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