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News: Mit links

Wollen Sie zusätzlich zur linken Gehirnhälfte auch die rechte Ihres Gesprächspartners in Aktion versetzen? Dann legen Sie Emotionen in Ihre Sätze, denn die rechte Seite hört mehr auf das "Wie" als auf das "Was".
Während die linke Gehirnhälfte des Menschen Sitz des Sprachverständnisses ist, ist die rechte verantwortlich für unsere Gefühle. Aber was passiert in unseren Gehirnen, wenn unsere Kommunikation emotional wird? Arbeitet nun noch immer hauptsächlich die rechte Hirnhälfte, oder doch die linke, oder etwa beide zusammen?

Dieser Frage widmeten sich Guy Vingerhoets und seine Kollegen von der Universiteit Gent, indem sie einen genauen Blick auf die Blutversorgung der Gehirnhälften warfen. Hierzu nutzen sie die Doppler-Sonografie – ein Verfahren, das mithilfe des Ultraschalls die Durchflussrate eines Blutgefäßes offenlegt. In der Schwangerschaft wird es etwa eingesetzt, um die Versorgung des Fötus durch die Nabelschnur beurteilen zu können.

Damit konnten die Wissenschaftler den Blutfluss sowohl durch die linke als auch die rechte mittlere Cerebralarterie verfolgen und hatten so einen vergleichbaren Parameter für die Aktivität der Gehirnhälften gefunden – je aktiver die Nervenzellen arbeiten, desto mehr Blut fließt, um Sauerstoff und Nährstoffe herbeizuschaffen. Während der Messung baten sie 36 Freiwillige, sich eine Reihe von Sätzen anzuhören und dabei zu beurteilen, ob die Worte neutral oder in einer der vier Basisemotionen – Freude, Trauer, Wut oder Angst – gesprochen worden waren.

Während die Probanden den Worten lauschten, mussten sie mit beiden Zeigefingern – damit nicht eine Gehirnhälfte trickste – auf einer vor ihnen liegenden Karte die ihrer Meinung nach passende Emotion antippen. Einmal sollten sie sich nur an dem Sinn des Satzes orientieren, beim anderen Mal aber sollten sie ihr Gehör mehr auf das "Wie" richten, also auf den Ton der Stimme und die Betonung.

Erstaunlicherweise aktivierten die beiden Aufgaben unterschiedliche Gehirnhälften. Konzentrierten sich die Zuhörer nur auf den Sinn des Satzes, den Sprachgebrauch, stieg die Durchflussrate in der linken Cerebralarterie deutlich an. Wendeten sie ihre Aufmerksamkeit aber verstärkt auf die im Satz verborgenen Emotionen, wurde die rechte Gehirnhälfte aktiviert und brauchte nun mehr Sauerstoff und Nährstoffe. Trotz aller Gefühle in der Kommunikation schaltete sich die linke Hirnhälfte aber nie ab. Wenn gesprochen wird, ist die linke Seite aktiv, ob mit Gefühlen oder ohne.

Wahrscheinlich arbeitet unsere linke Hirnhälfte automatisch, um den Sinn der Worte zu entschlüsseln, und hilft dadurch gleich der rechten Hirnhälfte, die Emotionen zu etikettieren. Denn selbst wenn man sich Mühe gibt, nur nach dem "Wie" zu lauschen, kann man gar nicht anders, als nebenbei auch auf den Sprachzusammenhang zu hören. "Wir tun dies die ganze Zeit", erklärt Vingerhoets, "wir sind darauf trainiert." Menschen mit Schäden in der rechten Hirnhälfte könnten allerdings Probleme haben, die begleitenden Emotionen einer Kommunikation richtig zu beurteilen.

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