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News: Mit Nadeln gegen Seelenschmerz

Viele Menschen leiden an Depressionen und müssen sich einer entsprechenden Behandlung unterziehen. Eine neue Forschungsarbeit gibt nach Meinung der beteiligten Wissenschaftler Anlaß zu der Hoffnung, daß Akupunktur eine wirksame Therapiemethode für Depressionen bei Frauen sein könnte.
Eine Studie des Psychologen John Allen von der University of Arizona in Tucson und der Akupunkteurin Rosa Schnyer deutet darauf hin, daß Akupunktur sich als mindestens genauso wirksam bei der Behandlung von Depression erwiesen könnte wie Psychotherapie oder medikamentöse Therapie. Allens und Schnyers Arbeit, die in der September-Ausgabe 1998 von Psychological Science veröffentlicht wird, ist nach Aussage der Forscher die erste wissenschaftlich überwachte Studie der Wirksamkeit von Akupunktur bei der Behandlung von Depression.

"Ich würde sagen, daß es genügend Hinweise gibt, die an Depression leidenden Menschen Anlaß zur Hoffnung geben," sagt Allen, Professor am Department of Psychology der University of Arizona. "Aber ich möchte unterstreichen, daß dies eine kleine Studie ist, die im größeren Umfang wiederholt werden muß."

Die Studie verglich den Rückgang von Depressionen in drei Gruppen von Frauen. Die erste Gruppe erhielt acht Wochen lang eine spezifische Akupunkturtherapie gegen Depression. Die zweite Gruppe erhielt eine Akupunkturbehandlung für Symptome, die nicht mit Depressionen im Zusammenhang stehen. Die letzte Gruppe wurde auf eine Warteliste gesetzt.

Den Frauen in den beiden Gruppen, welche die Akupunkturtherapie erhielten, wurde nicht mitgeteilt, zu welcher Behandlungsgruppe sie gehörten, und die behandelnden Akupunkteure glaubten, daß sie in allen Fällen wirkliche Symptome behandelten. Die Personen, die den Grad der Depression der Testpersonen vor und nach dem Versuch beurteilten, besaßen keine Informationen darüber, welcher Behandlung die einzelnen Testpersonen unterzogen wurden.

Am Ende der acht Wochen konnte festgestellt werden, daß sich die Frauen, die eine spezifische Akupunkturbehandlung gegen Depression erhalten hatten, in einem besseren seelischen Zustand befanden, als Frauen, die eine Akupunkturbehandlung gegen andere Symptome erhalten hatten. Außerdem zeigte sich ein nicht signifikanter positiver Trend im Vergleich zu den Frauen der Wartelistegruppe. "Obwohl wir – statistisch gesprochen – nicht ausschließen können, daß das Ergebnis auf Zufall zurückzuführen ist," sagt Allen, "spricht, wenn man die Größe des Unterschiedes und die Richtung der Unterschiede betrachtet, alles dafür, daß der Effekt unserer Behandlung eine vergleichbare Größe erreicht, wie in anderen Studien über traditionelle Behandlungen festgestellt."

Allen hält die Erforschung der Wirksamkeit alternativer Behandlungsmethoden von Depressionen vor allem deswegen für wichtig, weil diese Erkrankungen zu den häufigsten zählen und die Anwendung der Schulmedizin häufig nicht zum gewünschten Erfolg führt. "Zieht man die Zahl der Menschen in Betracht, die als Reaktion auf traditionelle westliche Behandlungen gegen Depression nicht gesund werden", sagt Allen, "und zählt dann die Menschen dazu, die ihre Behandlung abrechen, bevor es ihnen besser geht, dann wird die Hälfte der Menschen, die eine Behandlung anfangen, im Verlaufe einer typischen Behandlung nicht gesund". Allen glaubt, daß alternative Behandlungsmethoden von vielen Menschen begrüßt werden, weil sie andere Nebenwirkungsprofile haben oder sie möglicherweise eher mit den Ansichten oder Überzeugungen dieser Menschen übereinstimmen, was gegen ihre Depression helfen könnte.

Allen schlägt vor, daß westliche und östliche Wissenschaftler in einem Team zusammenarbeiten: "Ich glaube Studien wie diese sind der erste Schritt, um diese Art interdisziplinärer Untersuchung zu unterstützen. Aber bevor wir versuchen zu verstehen, wie die Akupunktur bei der Behandlung der Depression funktioniert, müssen wir zuerst nachweisen, daß sie funktioniert, und zwar in einer sorgfältig überwachten Studie, die sowohl westliche wissenschaftliche Methoden und die Prinzipien der chinesischen Medizin respektiert."

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