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News: Mit Sabotage gegen Hirntumore

Zum ersten Mal haben Forscher entdeckt, daß eine bestimmte tödliche Form von Hirnkrebs mit Hilfe eines Tumor-spezifischen Moleküls sozusagen durch gesundes Gewebe trampelt. Sie hoffen, daß Behandlungen, die das Molekül angreifen, den Verlauf der Krankheit verlangsamen.
"Die Experimente zeigen, daß das im Gehirn angereicherte Hyaluronanbindeprotein (brain-enriched hyaluronan binding protein, BEHAB) bei der Bewegung der Hirnkrebszellen in gesundes Gewebe hinein ein wichtiger, zentraler Faktor zu sein scheint", sagt Susan Hockfield von der Yale University School of Medicine. "Die Arbeit eröffnet neue Therapiemöglichkeiten für Hirntumore, sogenannte Gliome, die oft tödlich verlaufen." Mehr als die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb von 18 Monaten nach der Diagnose.

Hockfields Studie wird in der Ausgabe vom 1. April 1998 der Zeitschrift The Journal of Neuroscience veröffentlicht (Abstract).

Gliome entstehen aus Gliazellen, welche die Neuronen schützen, isolieren, ernähren und sie in verschiedenen anderen Funktionen unterstützen. Die Gliazellen wuchern wild, bis sie schließlich einen Tumor bilden. "Gliome sind außergewöhnlich schwierig zu behandeln, weil die Zellen die ungewöhnliche Fähigkeit besitzen, lange Strecken durch normales Hirngewebe zurückzulegen und neue Tumore zu bilden", sagt Hockfield. "Eine Methode, den Krebs einzudämmen, wäre die Hemmung der Wanderungen von Gliomzellen, ohne gesunde Zellen dabei zu schädigen." BEHAB, das auch unter dem Namen Brevican bekannt ist, scheint ein vielversprechender Kandidat für diese Art von Therapie zu sein, weil es nach Aussage der Wissenschaftler in Gliom-Tumoren vorkommt, nicht jedoch in anderen Arten von Hirntumoren oder im Körpergewebe.

In der neuen Studie entdeckten die Forscher, daß BEHAB von den Tumorzellen sekretiert und gespalten werden muß, damit der Krebs wandern und in gesundes Gewebe eindringen kann. "Therapien, welche die Funktion von BEHAB blockieren oder die Fähigkeit der Tumorzellen verringern, das Protein herzustellen, könnten das Tumorwachstum bremsen", sagt Hockfield. "Außerdem könnte eine Hemmung der Enzyme, die BEHAB spalten, ebenfalls eine wirkungsvolle Therapie sein."

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