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IgNobel-Preise 2010: Mit Schleimpilzen schneller ans Ziel kommen

An der Harvard University in Cambridge wurden wie jedes Jahr die IgNobel-Preise für besonders absurde Forschungsergebnisse verliehen.
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In einem hierarchischen Unternehmen steigt jeder Mitarbeiter bis in die Position auf, für die er zu inkompetent ist – jeder kennt das Peter-Prinzip, doch ein Mittel dagegen war nicht bekannt. Bis jetzt jedenfalls. Italienische Wissenschaftler haben sich des Problems angenommen und im Juli 2009 eine elegante Lösung veröffentlicht – Alessandro Pluchino, Andrea Rapisarda und Cesare Garofalo von der Università di Catania empfehlen Managern, Mitarbeiter einfach nach dem Zufallsprinzip zu befördern.

Für diese immerhin mathematisch begründbare Empfehlung verlieh ihnen die dubiose, aber inzwischen weithin bekannte Organisation Improbable Research den diesjährigen IgNobel-Preis für Management, eine von zehn Auszeichnungen für Forscher, deren Arbeit einen – in den Worten des IgNobel-Komitees – "erst zum Lachen, dann zum Nachdenken" bringen soll.

Allerdings schreckt die Jury auch vor Sarkasmus nicht zurück. Der Wirtschaftspreis ging dieses Jahr an die Führungskräfte von Goldman Sachs, Lehman Brothers und anderen Investmentbanking-Unternehmen für ihre Verdienste um neue Wege, bei maximalem Gewinn das finanzielle Risiko zu minimieren, zumindest für einen kleinen Teil der Weltwirtschaft. Die Geehrten sind nicht zur Preisverleihung erschienen.

Alle anderen kamen natürlich, abgesehen von Manuel S. Barbito, der die mikrobiellen Risiken durch bärtige Wissenschaftler erforscht hatte, aber aus gesundheitlichen Gründen die Reise in die Hallen von Harvard nicht antreten konnte und sich vertreten ließ. Die IgNobel-Preise werden traditionell, soweit möglich, von echten Nobelpreisträgern überreicht, dieses Jahr unter anderem Sheldon Glashow (Physik 1979), William Lipscomb (Chemie 1976), James Muller (Frieden 1985) und Roy Glauber (Physik 2005), der traditionell die Papierflieger aus dem Publikum von der Bühne fegt.

Die klassischen Nobelpreis-Kategorien sind natürlich auch beim IgNobel vertreten. Der Physik-Preis ging an neuseeländische Forscher, die in einer Studie nachweisen konnten, dass man auf vereisten Gehwegen seltener ausrutscht, wenn man Socken über seine Schuhe zieht. Dem Vernehmen nach ist der Effekt statistisch signifikant. In Chemie ehrte das Komitee Eric Adams (nicht der Sänger der Band Manowar, sondern Forscher am MIT), Scott Socolofsky, Stephen Masutani sowie das Unternehmen BP für die Erkenntnis, dass Öl und Wasser sich eben doch mischen, wenn man sie nur hinlänglich tief im Meer zusammenbringt. Die Wissenschaftler fanden das bei einem kontrollierten Freisetzungsexperiment heraus, BP nicht.

Der IgNobel-Preis für Medizin und Physiologie ging an ein holländisches Team, das die Wirkung von Achterbahnen auf die Gesundheit von Asthmakranken untersuchte und dabei entdeckte, dass eine Fahrt in so einem Gerät tatsächlich die Symptome lindert. Diese Forschung eröffnet zweifellos neuartige Perspektiven speziell für die Behandlung akuter Asthmaanfälle. Den Nutzen einer bekannten und verbreiteten Therapie wiesen dagegen britische Forscher nach, die zeigen konnten, dass intensives Fluchen akute Schmerzen lindert, zum Beispiel wenn man sich den Zeh verstaucht hat oder einer Regierungserklärung lauscht. Für diesen wissenschaftlichen Nachweis, dass Kinder sich aus medizinischen Gründen möglichst früh einen hinreichenden Fundus an Fäkalwörtern zulegen sollten, bekamen die Forscher den Friedens-IgNobel-Preis zugesprochen.

Natürlich kam auch die Tierforschung nicht zu kurz – Zoologen aus Großbritannien und Mexiko konstruierten im Dienste der Forschung einen Minihelikopter, der Walschnodder einsammelt, und tierische Körperflüssigkeiten anderer Natur waren bei der Forschung einiger Mitarbeiter der University of Bristol involviert, die entdeckten, dass auch Flughunde Fellatio betreiben. Unklar ist allerdings, ob die Tiere selbst auf die Idee gekommen sind oder nur zu oft nachts durch irgendwelche Fenster geguckt haben.

Der Preis für Verkehrsplanung schließlich ging dieses Jahr an Wissenschaftler, die schon einmal geehrt wurden. Toshiyuki Nakagaki, Ryo Kobayashi und Atsushi Tero erhielten den Preis zum zweiten Mal seit 2008. Damals konnten sie zeigen, dass Schleimpilze Rätsel lösen können, dieses Jahr hatten sie demonstriert, dass die täuschend primitiv aussehenden Organismen sogar ein optimales Nahverkehrssystem für eine Großstadt entwerfen können. Vielleicht sollten gestresste Abteilungsleiter bei der nächsten Beförderungsrunde einfach in vermoderndem Laub nach geeigneten Kandidaten suchen.
40. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 40. KW 2010

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