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News: Mit Seide und Parfüm auf Männerfang

Der betörende Duft einer schönen Frau lässt viele Männer schwach werden. Das trifft nicht nur auf Menschen zu, sondern auch auf einige Spinnen. So benutzen die Weibchen einer Jagdspinnenart aus Costa Rica einen Duftstoff, um Männchen anzulocken. Diese chemischen Signalstoffe - die Pheromone - sind bislang erst bei zwei Spinnenarten nachgewiesen worden. Aber bei einer größeren Verbreitung von Pheromonen bei Spinnen wären interessante Einsatzmöglichkeiten denkbar.
Die Weibchen vieler Insekten sondern Lockstoffe ab, mit denen sie den Männchen ihre Paarungsbereitschaft signalisieren. Diese so genannten Pheromone sind kleine, flüchtige Moleküle, die sich rasch in der Umwelt verteilen. Ähnlich wie Hormone sind sie in geringen Mengen wirksam, und die Männchen können bereits winzige Mengen dieser Sexuallockstoffe wahrnehmen. So weiß man zum Beispiel vom europäischen Schwammspinner, einem gefürchteten Waldschädling, dass die Männchen Pheromone noch in einer Konzentration von einem Molekül zu 100 Billiarden Gasmolekülen riechen können. Manchmal sind bei den Insekten die Rollen auch vertauscht, und die Männchen produzieren diese Stoffe, um Weibchen anzulocken.

Während bei den Insekten Pheromone weit verbreitet sind, kannte man bei Spinnen diese Lockstoffe bisher nur bei der Deckennetzspinne Linyphia triangularis. Stefan Schulz von der TU Braunschweig und seine Kollegen haben jetzt jedoch ein Pheromon bei der tropischen Jagdspinne Cupiennius salei nachgewiesen (New Scientist vom 6. Januar 2001). Sie fanden heraus, dass weibliche Spinnen dieser Art überall dort, wo sie entlang laufen, parfümierte Spinnfäden hinterlassen. Wenn die Männchen dann den Geruch wahrnehmen, so antworten sie, indem sie mit ihren Pedipalpen – kleinen Tastorganen am Kopf – schnell auf Blättern oder Stängeln trommeln. Wenn ein Weibchen die Vibrationen wahrnimmt, so erwidert sie dieses Signal.

Den Wissenschaftlern gelang es, betäubten Jagdspinnen diese Spinnfäden zu entnehmen. Bei der Analyse der Fäden fanden sie die chemische Komponente, welche die weiblichen Tiere zum Anlocken der Männchen einsetzen. Es handelt sich um Dimethyl-Citrat, das man bislang noch nicht in der Natur nachweisen konnte. Behandelt man mit diesem Stoff männliche Spinnfäden, so reagieren alle Männchen so, als ob sie die Spur eines paarungsbereiten Weibchens gefunden hätten.

Bis jetzt wissen die Wissenschaftler nicht, ob auch andere Spinnenarten ihre Geschlechtspartner mit Pheromonen anlocken. Sollte dem aber so sein, könnten sich einige interessante Anwendungen für diese Stoffe bieten. Etwa zur Bekämpfung von Spinnen – dort, wo sie stören – oder zum Anlocken von nützlichen Arten für die Schädlingsbekämpfung. Da wird die Zukunft sicher noch einige Enttäuschungen für die armen Spinnenmännchen bereithalten, wenn diese dem Duft einer schönen Spinnendame folgen und dann nur ein Gemüsebeet voller Blattläuse vorfinden.

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