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Umweltschutz: Mit Spinnenhäuten gegen eine Ölpest

Wenn Öl austritt, ist das nicht nur eine Sauerei, es belastet auch die Umwelt massiv. Die Hüllen von Vogelspinnen versprechen eine ökologische Abhilfe. Aber ist das realistisch?
Vogelspinne auf KinderhandLaden...

Zugegeben: Arachnophobiker dürften während eines solchen Einsatzes nicht anwesend sein. Aber für die Umwelt wäre es eine freundliche Alternative zu den Chemikalien, die gegenwärtig eingesetzt werden, um eine Ölpest zu bekämpfen. Tomasz Machałowski von der Universität in Poznań und sein Team überlegen, ob zukünftig nicht Millionen Häute von Vogelspinnen ausgebracht werden könnten, um ausgetretenes Erdöl etwa nach Tankerunfällen aufzusammeln. Ihre Studie stellten sie im »Journal of Environmental Management« vor.

Die Haut der Achtbeiner besteht vorwiegend aus Chitin, das stark wasserabweisend ist, weshalb sie sich nicht damit vollsaugt und absinkt. Umgekehrt nimmt sie Öl gut auf, wie die Wissenschaftler schreiben. In ihrem Test gaben Machałowski und Co daher Hautproben einer peruanischen Vogelspinnenart in Gefäße mit Salzwasser, auf denen Öl schwamm. Schon nach zwei Minuten hatte die Haut fast zwei Drittel des ausgebrachten Rohöls, aber praktisch kein Wasser aufgesaugt. Die angelagerte Menge entsprach dem 13-Fachen ihres ursprünglichen Gewichts.

Die dichten, borstigen Haare fangen demnach das Öl ein, und ihre unregelmäßige Form sorgt dafür, dass sich die Tropfen zusammenklumpen und eingeschlossen werden. Theoretisch könnten die Spinnenhäute nach dem Einsammeln auch wieder gereinigt und neu verwendet werden, doch nehmen die Wissenschaftler an, dass sie dabei auf Dauer ihre Leistungsfähigkeit verlieren.

Da es weltweit hunderttausende Halter gebe, deren Tiere sich mehrmals im Jahr häuten, könnten bis zu fünf Millionen Hüllen eingesammelt und eingesetzt werden. Der logistische Aufwand dafür dürfte allerdings immens und nicht wirtschaftlich sein. Megan Murray von der University of Technology in Sydney sieht den Reiz der Studie im »New Scientist« dagegen an anderer Stelle: Die Spinnenhäute könnten als Vorbild für künstliche Lösungen dienen, mit denen sich beispielsweise die Folgen von Tankerunglücken ökologisch nachhaltig bekämpfen ließen. Bislang bringt man bei einer Ölpest meist Chemikalien aus, die die Teppiche in kleinere Tröpfchen auflösen sollen. Häufig belasten sie das Ökosystem jedoch ähnlich stark wie das Rohöl.

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