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Amerikanische Clovis-Kultur: Mit Steinspitzen auf Ur-Elefantenjagd

Im heutigen Mexiko sind Forscher auf die Überreste eines steinzeitlichen Schlachtplatzes gestoßen: Er trägt die Spuren eines ungleichen Kampfs.
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In der mexikanischen Sonorawüste sind Forscher auf einen außergewöhnlichen Fundplatz gestoßen: Angehörige der steinzeitlichen Clovis-Kultur hatten hier allem Anschein nach zwei Cuvieronius-Gomphotherien zerlegt. Die Großwildjäger, die für ihre besonders fein gearbeiteten Steinspitzen berühmt sind, hatten die elefantengroßen Rüsseltiere vermutlich bei der Jagd erlegt und als Essen zubereitet.

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Charakteristischer Kiefer | Die Forscher fanden die Knochen, nachdem sie von einem ortsansässigen Rancher einen Hinweis erhalten hatten. Die Knochen des Cuvieronius-Gopotheriums wurden von den mexikanischen Teammitgliedern konserviert.

Über den Fund berichten jetzt die Ausgräber um Vance Holliday von der University of Arizona. Laut ihren Datierungen stammt er aus einer Zeit von vor 13 390 Jahren – und ist damit gleich doppelt überraschend: Zum einen stellt er einen außergewöhnlich frühen Beleg der Anwesenheit der Clovis in diesen südlichen Gefilden dar. Zum anderen hatten Wissenschaftler angenommen, dass die Gomphotherien zu dieser Zeit nur noch in Mittel- und Südamerika lebten.

Cuvieronius und andere RüsseltiereLaden...
Cuvieronius und andere Rüsseltiere |

Cuvieronius (rechts und unten) zählt mit einer Schulterhöhe von etwas über zwei Metern zu den kleineren Vertretern der einst auf dem amerikanischen Kontinent verbreiteten Rüsseltiere (Proboscidea), dem Wollhaarmammut (Mitte) und dem Amerikanischen Mastodon (links). Bei den nun gefundenen Exemplaren handelte es sich zudem um Jungtiere.

Lebendrekonstruktion von Sergio de la Rosa.

Die wegen ihrer Abgeschiedenheit "El Fin del Mundo", das Ende der Welt, genannte Fundstätte hatten die Ausgräber bereits 2007 aufgetan. Die großen Knochen hielten sie zunächst für die Überreste eines Bisons. Erst als sie den charakteristischen Kiefer eines Cuvieronius fanden, sei ihnen die Bedeutung bewusst geworden. Cuvieronius zählt zu den Gomphoterien, einer ausgestorbenen Rüsseltierfamilie und ist eng mit den Elefanten verwandt. Diesen ähneln die Tiere auch von Statur und Körpergröße. Gomphoterien verschwanden vor ungefähr 11 000 Jahren.

Bei den Ausgrabungen am "Ende der Welt" kamen schließlich noch insgesamt sieben clovistypische Steinspitzen zum Vorschein, vier davon in direkter Nachbarschaft zu den Knochen, so dass sich die Forscher vergleichsweise sicher darin sind, diesen Fundplatz als Ergebnis einer Jagd anzusehen. Zusätzlich entdeckten sie in der Nähe ein Clovis-Camp mit zahlreichen weiteren Steingeräten.

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Clovis-Spitze aus durchsichtigem Quartz | Typisch für Clovis-Spitzen ist die geringe Dicke der Klingen und die Kannelierung an der Basis – aber auch die Auswahl exotischer Materialien: Die Steinmetze wählten für Klingen besonders prächtige Steine aus, selbst wenn diese, wie dieser Quartz aus dem Umfeld des Gomphotherienfunds, schwer zu bearbeiten waren.

Dass die Clovis – die erste eindeutig fassbare Steinzeitkultur Nordamerikas – auf Großwild spezialisiert waren, ist allerdings schon lange bekannt. Insbesondere die noch größeren Mammuts zählten zu ihrer Beute, ebenso wie Bisons, Wildpferde und andere Mitglieder der nordamerikanischen Megafauna.

29. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 29. KW 2014

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