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News: Mit Viren gegen Krebs

Hirntumoren gehören zu den besonders heimtückischen Krebserkrankungen, denn die Therapiemöglichkeiten sind eingeschränkt und die Überlebenschancen gering. Nun zeigte sich, dass bestimmte Viren überaus erfolgreich in der Lage sind, Tumorzellen zu zerstören, während gesundes Gewebe unbehelligt bleibt. Was bislang im Tierversuch gelang, könnte in einigen Jahren eine wichtige Waffe gegen Hirntumoren sein.
In jedem Jahr diagnostizieren die Ärzte der Europäischen Union bei etwa 17 000 Patienten ein Glioblastom, und für 12 000 Menschen ist dies gleichzeitig das Todesurteil. Im Durchschnitt haben sie noch ein Jahr zu leben, nur zwei Prozent überleben die nächsten drei Jahre.

Das Glioblastom ist die häufigste Art der Gliome, eine Sammelbezeichnung für alle von den Gliazellen ausgehenden Tumoren des Zentralnervensystems, insbesondere des Gehirns. Während die letzte Hoffnung derzeit oft in der Operation liegt, könnte die Zukunft der Therapie bei einem Virus liegen. Peter Forsyth von der University of Calgary und seine Kollegen beobachteten sowohl bei Zellkulturen als auch im Tierversuch, wie eine bestimmte Gruppe natürlich vorkommender Viren die Krebszellen angriff, während sie das gesunde Gewebe unbehelligt ließen.

Bei den Viren handelt es sich um so genannte REO-Viren (respiratory enteric orphan viruses). Sie gehören zu einer Gruppe, die ein segmentiertes, doppelsträngiges RNA-Genom aufweisen. Ihr Infektionsspektrum ist breit gestreut und umfasst Säuger, Vögel, Reptilien, Fische, Insekten und Pflanzen. REO-Viren wurden früher aus dem Respirations- und Darmtrakt isoliert - daher ihr Name. Sie sind überaus resistent und finden sich beispielsweise in Abwässern.

Die Forscher hatten schon 1998 festgestellt, dass REO-Viren Krebszellen befallen und zerstören, jetzt konnte die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Forsyth dies mit einer systhematischen Studie untermauern. Demnach brachten REO-Viren in Zellkulturen 20 der 24 Gliom-Zelllinien zum Absterben. Auch neun primäre Zellkulturen menschlicher Gliome hielten dem Angriff der Viren nicht stand. Außerdem attackierten die REO-Viren menschliches Tumorgewebe, das die Wissenschaftler zuvor in die Hirne der Mäuse implantiert hatten. Neun der elf Mäuse waren auch nach 90 Tagen noch am Leben, länger als jene, die nicht mit den REO-Viren behandelt wurden.

Noch wollen die Forscher keine Hoffnungen wecken. Bis die Therapie beim Menschen angewandt werden könne, sind nach Meinung von Peter Forsyth noch einige Jahre intensiver Forschungsarbeit nötig. Immerhin sollen schon bis Ende 2001 die ersten klinischen Tests mit Tumor-Patienten beginnen.

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