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Syrien: Mit "Wüstendrachen" auf Gazellenjagd

Lange wussten Forscher nicht genau, was es mit den so genannten Wüstendrachen auf sich hat – jenen kilometerlangen hufeisenförmigen Steinmauern, die sich durch die Wüsten der Levante ziehen (und die so heißen, weil sie aus der Luft betrachtet aussehen wie riesige Lenkdrachen).

Die kilometerlagen Fanganlagen aus Stein…
Die kilometerlagen Fanganlagen aus Stein … | … erinnern aus der Luft betrachtet an riesige Lenkdrachen. Deshalb nennt man sie "Wüstendrachen".
Unweit einer dieser Strukturen, in der 6000 Jahre alten Siedlung Tell Kuran im Nordosten Syriens, entdeckten Forscher nun mehr als 2500 Gazellenknochen. Guy Bar-Oz von der University of Haifa und seine Mitarbeiter sehen nun einen seit längerem gehegten Verdacht bestätigt: Bei den Wüstendrachen handelte es sich um Massentierfallen.

Diese wurden wohlweislich entlang der Wanderrouten der Gazellen angelegt, sodass mit einem Schlag ganze Herden niedergestreckt werden konnten. Die Tiere wurden offenbar nicht vor Ort verarbeitet, sondern erst in die Siedlung gebracht. Davon zeugen besonders tiefe Schnittspuren in den Knochen, die nur entstehen, wenn ein Tier einige Zeit nach seinem Tod – nach Eintritt der Totenstarre  – gehäutet wird.

Auf Felsmalereien jener Zeit ist zu sehen, dass Menschen die Gazellen mit Hilfe von Hunden in die Fallen trieben, um sie mit Keulen niederzustrecken. Einige dieser Jäger haben Löwen und Stiere an ihrer Seite – Tiere, die in Mesopotamien als Stellvertreter der Götter angesehen wurden. Diese religiöse Symbolik lässt die Archäologen vermuten, dass die Gazellen aus rituellen Gründen gejagt wurden – und nicht zur Deckung des Nahrungsbedarfs.

Die Kropfgazelle (Gazella subgutturosa)…
Die Kropfgazelle (Gazella subgutturosa)… | …war bereits vor 6000 Jahren eine stark bedrohte Tierart.
Durch das massenhafte Nachstellen wurden die Kropfgazellen (Gazella subgutturosa) übrigens damals schon stark dezimiert. Die moderne Jagd mit Feuerwaffen tat ihr Übriges: Heute gilt diese Gazellenart als vom Aussterben bedroht.

Miriam Jolien Blümel

Proceedings of the National Academy of Sciences, April 2011

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