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Neurolinguistik

Miteinander Reden bringt Hirne in Gleichklang

Reden im Gleichtakt
Unterhalten sich zwei Menschen, bringt das offenbar ihre Gehirne in Gleichklang: Die neuronale Aktivität des Zuhörers wiederholt dann die des Sprechers – allerdings mit einem gewissen zeitlichen Abstand, den es braucht, um das Gehörte zu verstehen. Das offenbarte jetzt der Blick in sich unterhaltende Gehirne mittels Hirnscanner.

Reden im Gleichtakt
Reden im Gleichtakt | Wer aufmerksam den Erzählungen eines anderen folgt, zeigt die gleiche Hirnaktivität wie dieser: Die Gehirne scheinen förmlich im Gleichtakt zu schwingen – je stärker, desto besser die Kommunikation.
Wie Uri Hasson von der Princeton University und Kollegen berichten, entsteht diese enge Verknüpfung dadurch, dass sowohl Sprecher als auch Hörer identische Hirnareale zum Einsatz bringen. Neben den eigentlichen sprachverarbeitenden Zentren handelt es sich dabei um ein ausgedehntes Netzwerk von Regionen, denen die unterschiedlichsten Aufgaben obliegen.

Das Team zeichnete für seine Untersuchung zunächst einen Probanden auf Tonband auf, der eine Anekdote aus seinem Leben zum Besten gab. Gleichzeitig erfassten sie per Magnetresonanztomograf (fMRT) seine Hirnaktivität. Diese Daten dienten anschließend als Vergleichsmaßstab. Weitere Probanden mussten nun – ebenfalls im fMRT – zuhören. Ob eine Korrelation im zeitlichen Verlauf der Hirnaktivität zwischen beiden Gruppen bestand, ermittelte anschließend ein statistisches Verfahren.

Im Normalfall eilten dabei die neuronalen Prozesse im Hörer-Hirn denen im Sprecher-Hirn hinterher. Einige Gehirnregionen übernahmen aber anscheinend die Aufgabe, Voraussagen über den Fortgang der Geschichte zu treffen: Hier zeigte sich beim Hörer Aktivität, noch bevor sie im Hirn des Sprechers messbar wurde. Je ausgeprägter die Kopplung dieser vorausschauenden Areale war, desto besser hatten die Hörer die Geschichte verstanden, wie die Auswertung eines nach der Scannerprozedur ausgefüllten Fragebogens ergab.

Ein starker Gleichklang zwischen den Gehirnen sei demnach Anzeichen für eine erfolgreiche Kommunikation, so die Forscher. Verstanden Hörer nicht, was erzählt wurde, etwa weil sie die Sprache nicht beherrschten, ließ sich keine Synchronizität aufweisen.

Um ihre Studie überhaupt durchführen zu können, mussten Hasson und Kollegen erst für passendes Equipment sorgen. Denn wegen der enormen Lautstärke im Hirnscanner wäre der Sprecher bei Einsatz herkömmlicher Mikrofone nicht zu verstehen gewesen. Neue MRT-taugliche, optische Mikrofone erlauben es, solche Störgeräusche herauszufiltern und damit erstmals Hirndaten von Sprechern parallel mit ihren Erzählungen aufzuzeichnen. (jd)
30. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 30. KW 2010

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  • Quellen
Stephens, G.J. et al.: Speaker–listener neural coupling underlies successful communication. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 10.1073/pnas.1008662107, 2010.

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