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Modetrends: Wann die alten Klamotten wieder modern werden

Eine Analyse von historischen Zeichnungen belegt: Alte Modestile erleben in regelmäßigen Abständen ein Revival. Das Auf und Ab folgte jahrzehntelang einem einfachen Muster.
Eine Illustration zeigt die Entwicklung der Damenmode von den 1920er bis zu den 2010er Jahren. Jede Dekade ist durch eine stilisierte Zeichnung einer Frau in einem typischen Kleidungsstil der jeweiligen Zeit dargestellt. Die Mode der 1920er zeigt ein lockeres Kleid mit tief sitzender Taille, während die 1930er ein elegantes, tailliertes Kleid präsentieren. Die 1940er zeigen ein rotes Kleid mit Puffärmeln, die 1950er ein kariertes Kleid mit betonter Taille. Die 1960er sind durch ein grünes, ärmelloses Kleid repräsentiert, die 1970er durch ein buntes, gemustertes Kleid. Die 1980er zeigen ein orangefarbenes Kleid mit Schulterpolstern, die 1990er ein gepunktetes Kleid. Die 2000er präsentieren ein rotes, schulterfreies Kleid, und die 2010er ein graues Kleid mit schwarzen Akzenten. Unter jeder Figur steht die entsprechende Jahreszahl.
Kurze oder lange Röcke, mehr oder weniger Ausschnitt – im ständigen Bestreben, sich von der vorigen Generation abzuheben.

Schlaghosen oder Röhrenjeans, Glockenrock oder Minikleid: Was einst modern war, kommt irgendwann wieder. Ungefähr 20 Jahre dauert es, bis der alte Look wieder angesagt ist, heißt es unter Modemachern. Forschende an der Northwestern University in Illinois haben diese Regel jetzt mathematisch bestätigt, wie sie auf einer Veranstaltung des Global Physics Summit 2026 in Denver berichten.

Die Gruppe um die Mathematikerin Emma Zajdela, die inzwischen an der Princeton University forscht, hatte rund 37 000 Bilder von Frauenkleidung zusammengetragen, unter anderem aus historischen Schnittmustern, die sie im Commercial Pattern Archive an der University of Rhode Island fand. Die resultierende Datenbank umfasse Modezeichnungen aus den Jahren 1869 bis in die Gegenwart und bilde damit die umfangreichste Sammlung ihrer Art, erläutert Zajdela in einer Pressemitteilung der Northwestern University.

Das Team, darunter weitere Mathematiker und eine Kunsthistorikerin, beschrieb die Modestile zunächst anhand mehrerer Kennzahlen wie der Höhe des Ausschnitts, der Taille und des Saums der Kleidungsstücke (siehe rote Punkte auf der Abbildung). Anhand dieser Merkmale berechneten Zajdela und ihre Kollegen ein mathematisches Modell, das darstellen sollte, wie sich diese Kennzahlen im Lauf der Jahrzehnte veränderten.

Typische Merkmale | An den markierten Stellen setzten die Forschenden das Maßband an, um Kleidungsstücke anhand von Ausschnitttiefe, Taille und Saumlänge zu beschreiben.

Ergebnis: Die alten Modestile wurden immer wieder aufs Neue modern. Aufstieg und Niedergang glichen einer Welle, die in etwa alle 20 Jahre ihren Höhepunkt erreichte, berichtet Zajdela. Eines der Merkmale, auf das diese Regel am deutlichsten zutraf, war die Länge von Röcken und Kleidern: Im Verlauf des 20. Jahrhunderts saß der Saum mal höher, wie in den wilden Zwanziger- und Sechzigerjahren, und mal tiefer, wie in den konservativen Dreißigern und Fünfzigern.

Das stete Auf und Ab habe seine Gründe, erklärt die Gruppe: Sobald ein Stil zu verbreitet sei, würden die Designer nach neuen Stilen suchen. »Das ständige Bestreben, sich von der jüngsten Vergangenheit abzuheben, führt im Lauf der Zeit dazu, dass Stile hin- und herpendeln«, erklärt Zajdelas Kollege Daniel Abrams. Ab den 1980er-Jahren schlug der Zyklus jedoch weniger durch: Es dominierte nicht mehr nur ein einziger Trend. »In den letzten Jahren gibt es mehr Auswahl: sehr kurze Kleider, bodenlange Kleider und Midi-Kleider«, sagt Zajdela. »Die Vielfalt nimmt zu und die Konformität ab.«

Trendwellen im 20. Jahrhundert | Diese Modezeichnungen aus den Jahren 1923 bis 1987 illustrieren, wie die Saumlängen abwechselnd kürzer und wieder länger wurden.

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  • Quellen
Zajdela, E. et al., Global Physics Summit, Denver 2026

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