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News: Molekulare Achillesferse

Das Hepatitis-C-Virus verweigert sich bisher hartnäckig jedem Therapieversuch. Doch ein bestimmtes virales Enzym könnte sich als Achillesferse des Krankheitserregers erweisen.
Eine ganze Virus-Palette löst ein ähnliches Krankheitsbild aus: Hepatitis. Waren zunächst nur die als typische Reisekrankheit gefürchtete Hepatitis A und die sexuell oder über Blutprodukte übertragene Hepatitis B bekannt, reicht das Alphabet inzwischen bis zum Buchstaben G. Gemeinsam ist den Viren, die zu unterschiedlichen Familien gehören, dass sie die Leberzellen attackieren und damit das körpereigene Entgiftungsorgan schädigen. Der dadurch mitunter ausgelöste Übertritt von Gallensäure ins Blut und in die Haut hat der Krankheit auch den Namen Gelbsucht beschert.

Eine besonders heikle Variante ist Hepatitis C, die wie Hepatitis B über Blut und Blutprodukte übertragen wird, jedoch wesentlich häufiger chronisch verläuft und langfristig zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann. Der Erreger, ein RNA-Virus aus der Familie der Flavi-Viren, entzieht sich dabei geschickt dem Immunsystem und lässt sich auch medikamentös nur schwer bekämpfen. Behandelt wird Hepatitis C mit Interferon-alpha, ein Signalprotein, das Abwehrmaßnahmen des Immunsystems ankurbelt. Doch leider spricht nur ein Viertel der Patienten auf die Therapie an, die auch noch von unangenehmen Nebenwirkungen wie Schüttelfrost, Übelkeit oder Kopfschmerzen begleitet werden kann.

Mehrere Forschergruppen, darunter die Wissenschaftler um Eileen Foy vom Southwestern Medical Center in Dallas, suchen nach einer Achillesferse des Virus. Diese könnte in dem viruseigenen Protein NS3/4A liegen, das eine wichtige Rolle im Krankheitsverlauf spielt. Wie die Forscher herausfanden, knackt NS3/4A als Protease das Protein IRF-3 (interferon regulatory factor-3) und unterbindet damit die Aktivierung des Immunsystems [1].

Eine gezielte Gabe von Proteasehemmern hätte damit nach Ansicht der Forscher einen doppelten therapeutischen Nutzen: Einerseits wird die virale Protease, die der Erreger zu seiner Vermehrung benötigt, außer Gefecht gesetzt, andererseits kann das Immunsystem ungehemmt infizierte Leberzellen vernichten.

Einen Schritt weiter gingen die Forscher um Eric Hsu vom kanadischen Ontario Cancer Institute in Toronto. Ihr Trick: Die virale Protease sollte selbst die Vernichtung des Erregers einleiten.

Dazu schleusten die Forscher ein "Selbstmord-Gen" in Leberzellen ein. Dieses Gen wiederum codiert für die Vorstufe des Proteins BID (BH3 interacting domain death agonist). Befallen nun Hepatitis-C-Viren derartige genetisch veränderte Leberzellen, dann spaltet die virale Protease ein Stück des Vorläuferproteins ab, das Protein wird damit aktiviert und löst das Selbstmordprogramm, die Apoptose, der befallenen Zelle aus. Und mit dem Opfertod der Zelle gehen auch die Viren zugrunde [2].

Bisher haben die Forscher ihren Versuch, über Gentherapie Hepatitis zu heilen, nur bei Mäusen getestet. Ob der Ansatz auch beim Menschen funktioniert, bleibt offen.

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