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Evolution: Molekulare Uhr tickt offenbar langsamer als gedacht

Die Geschwindigkeit der "molekularen Uhr", mit deren Hilfe zurückliegende Evolutionsereignisse zeitlich eingeordnet werden, muss möglicherweise neu bewertet werden. Darauf deuten statistische Auswertungen zur Mutationshäufigkeit hin, die Wissenschaftler um Emmanuel Douzery von der Universität Montpellier durchgeführt haben.

Das Prinzip der molekularen Uhr setzt voraus, dass die DNA-Mutationsrate aller Organismen über Jahrmillionen hinweg konstant war. Daher treten zufällige Veränderungen insbesondere in nicht kodierenden Bereichen des Erbgut mit einer Regelmäßigkeit auf, anhand derer dann der Zeitpunkt verschiedener Evolutionsereignisse wie die Trennung von Arten abgelesen werden kann. Die auf Grund dieser molekularen Methode ermittelten Daten der Evolutionsgeschichte stimmen allerdings oft nicht überein mit jenen, die durch Altersbestimungen von Fossilfunden gewonnen werden.

Die neue Analyse von 129 Gensequenzen aus 36 Pflanzen, Pilzen, Tieren und Einzellern berücksichtigt nun unterschiedliche Mutationsraten der Organismen und kalibriert die molekulare Uhr zudem an gut dokumentierten Fossildaten. Insgesamt sage eine derart justierte molekulare Uhr für zahlreiche Evolutionsereignisse jüngere Zeitpunkte voraus als bisherige Modelle und stimme so besser mit auf paläontologischen Untersuchungen basierenden Daten überein, so die Forscher. Der neuen Zeitrechnung zufolge fand die Trennung von Bakterien und Organismen mit echtem Zellkern beispielsweise erst vor 950 bis 1259 Millionen Jahren statt.

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