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Moltbot-KI: Der KI-Assistent für alle Lebenslagen

Flüge buchen, E-Mails beantworten oder den Alltag strukturieren: KI-Assistenten revolutionieren den Umgang mit Software – und bringen sowohl Chancen als auch Risiken mit sich.
Drei stilisierte Figuren in Anzügen stehen auf einem blauen Hintergrund. Jede Figur hält ein Smartphone, das ihr Gesicht beleuchtet. Sie tragen Aktentaschen in der anderen Hand. Die Szene vermittelt den Eindruck von Geschäftigkeit und Technologie.
Anstatt nur Empfehlungen auszusprechen, können KI-Assistenten auch eigenständig handeln.

Neulich erzählte mir ein Freund von »Moltbot«: Der neue, quelloffene KI-Agent soll als digitaler Assistent dienen. Ich hatte keine hohen Erwartungen, aber die Software wird auf Social Media bereits gefeiert. Es sei eine handlungsfähige KI, die mit den Dateien und der Software der Nutzenden interagiert und so lästige Aufgaben abnimmt.

Als ich Moltbot auf meinem privaten Gerät einrichtete, sollte ich einen Namen, eine Persönlichkeit (etwa »KI«, »Roboter« oder »Geist in der Maschine«) und eine Stimmung (wie »scharfsinnig«, »chaotisch« oder »ruhig«) wählen. Ich entschied mich für »Cy«, einen scharfsinnigen und effizienten KI-Assistenten. Als »Haupthirn« der Software habe ich das KI-Modell Claude von Anthropic gewählt (ChatGPT wäre ebenfalls eine Option gewesen). Dann habe ich Cy mit WhatsApp und Telegram verbunden, um direkt mit meinem neuen Assistenten zu kommunizieren.

Da ich mein Online-Leben bereits optimiert hatte, sah ich zunächst keinen dringenden Bedarf für Cy. Also rief ich meinen Freund an, der mir die KI empfohlen hatte. Er saß gerade bei sich in der Sauna und chattete mit seinem Moltbot »Samantha«. Der Assistent erstellte ein Hörbuch für ihn. Er riet mir, Cy um Hilfe zu bitten, wann immer eine Aufgabe anstand.

Also schickte ich Sprachmemos an Cy, die es transkribieren sollte. Der KI-Assistent lud Transkriptionssoftware von GitHub herunter, installierte sie, ließ sie die Audiodateien verschriftlichen und speicherte das Ergebnis in einem Dokument auf meinem Desktop. Dann wies ich Cy an, eines meiner Programmierprojekte weiterlaufen zu lassen und mich durch Sprachnachrichten darüber informiert zu halten, die ich mir beim Kochen anhörte. Jede dieser Nachrichten beantwortete ich ebenfalls mit einer Audionachricht, ohne tippen zu müssen. 

Ein handlungsfähiges KI-Programm

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Moltbot ist kein neues KI-Modell. Es handelt sich um eine kostenlose Open-Source-Software, die bereits vorhandene KI-Programme als »Gehirn« nutzt. Moltbot verleiht diesen die Fähigkeit, Befehle auszuführen und Dateien zu bearbeiten. Außerdem merkt es sich, woran die Nutzenden zuvor gearbeitet haben und wie sie am liebsten benachrichtigt werden.

Während ein Chatbot sagt, was man tun sollte, erledigt es Moltbot gleich selbst. Anders als Siri oder Alexa, die nur ganz bestimmte Befehle ausführen – etwa einen Timer stellen – , folgt Moltbot fast jeder Anweisung. Gibt man dem KI-Assistenten ein Ziel vor, unterteilt er dieses in einzelne Schritte, findet die erforderlichen Tools, installiert sie, behebt Fehler und versucht, alle auftretenden Hindernisse eigenständig zu beseitigen. Moltbot meldet sich nur, wenn Passwörter oder Zahlungsinformationen benötigt werden. Und das kommt gut an: Nutzende der Softwareplattform GitHub haben die KI bereits mehr als 100 000-mal als Favorit markiert.

Das Programm stammt vom österreichischen Softwareentwickler Peter Steinberger, der sich fragte, warum es keinen KI-Agenten gibt, der seine KI-Agenten überwacht. Moltbot scheint genau das erfolgreich zu leisten. »Ein Open-Source-KI-Agent, der auf meinem Mac-Mini-Server läuft, ist die unterhaltsamste und produktivste Erfahrung, die ich seit Langem mit KI gemacht habe«, schrieb Federico Viticci, Gründer und Chefredakteur von MacStories, auf Mastodon. Die User verwenden Moltbot, um E-Mails zu versenden, den Inhalt ihres Posteingangs zusammenzufassen, Kalender zu verwalten sowie Flüge zu buchen und einzuchecken – und das alles über die Chat-Apps, die sie ohnehin schon haben. Wenn Moltbot etwas nicht kann, lässt sich das Problem oft lösen, indem man dem Programm Zugriff auf bessere Tools gewährt.

Auch wenn all das sehr verlockend klingt, bringt Moltbot Risiken mit sich. Experten warnen, dass die KI sensible Informationen offenlegen und Sicherheitsmechanismen umgehen kann. »KI-Agenten machen all das von Grund auf zunichte«, sagte Sicherheitsspezialist Jamieson O’Reilly gegenüber »The Register«. »Die KI-Modelle müssen Ihre Dateien lesen, auf Ihre Anmeldedaten zugreifen, Befehle ausführen und mit externen Diensten interagieren.«

Das heißt aber nicht, dass man per se Angst vor solchen Anwendungen haben sollte. Man sollte einen KI-Assistenten eher wie einen neuen Mitarbeiter behandeln: Man gibt ihm minimale Berechtigungen und klare Regeln und beaufsichtigt seine Tätigkeiten. Und man sollte natürlich berücksichtigen, wie andere Menschen die neuen KI-Assistenzsysteme nutzen könnten. Womöglich werden Betrügereien wie der »Enkel-Trick« in Zukunft deutlich überzeugender.

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