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Malaria: Moskitonetze verändern Mückenverhalten

Eine Verhaltensänderung bei Malaria übertragenden Stechmücken der Gattung Anopheles bereitet Seuchenbekämpfern Sorgen: Wie Wissenschaftler aus Benin und Frankreich berichten, verschiebt sich die Aktivität der Blutsauger von der Nacht in die frühen Morgenstunden. Dadurch treffen sie mehr Menschen außerhalb ihrer Häuser an und vermeiden so die inzwischen weit verbreiteten, mit Insektiziden imprägnierten Moskitonetze, mit denen sich die Menschen im Schlaf vor Mücken schützen. Wenn die Moskitos ihre Aktivität nun in Zeiten verlegen, zu denen sich viele Menschen bereits außerhalb des Hauses aufhalten, verlieren die Netze einen großen Teil ihrer Schutzwirkung – ein Rückschlag für die Bekämpfung der Malaria.

Die Netze sind, zusammen mit Kampagnen, Innenräume mit Insektiziden auszusprühen, eines der wichtigsten Elemente im Kampf gegen Malaria und ihre Überträger. Die Moskitos sind strikt nachtaktiv und stechen die Menschen im Schlaf, was die Netze effektiv verhindern. Untersuchungen zeigen, dass Moskitonetze die Häufigkeit von Malaria um die Hälfte reduzieren und die Kindersterblichkeit in Endemiegebieten um bis zu ein Drittel senken. Deswegen empfiehlt die WHO, alle Menschen in Malariagebieten mit pestizidimprägnierten Netzen auszustatten.

Wie das Forscherteam um Nicolas Moiroux vom Institut für Entwicklungsforschung in Montpellier jetzt in zwei Dörfern in Benin feststellte, passen die Mücken ihr Verhalten recht schnell an die Netze an. Sie überwachten das Verhalten der Tiere in zwei Dörfern, die seit 2008 komplett mit imprägnierten Netzen ausgestattet sind. Dabei stellten sie bereits 2009 fest, dass sich die Aktivität der Moskitos in Richtung der Morgenstunden verschoben hatte. In einer weiteren Untersuchung 2011 zeigte sich dann, dass die Hauptaktivität nun etwa um fünf Uhr morgens lag – fast drei Stunden später als zu Beginn der Studie. Bemerkenswert ist, dass die Forscher keine erhöhte Resistenz gegen die verwendeten Insektizide vorfanden – die Anpassung beschränkt sich auf das Verhalten. Die Wissenschaftler rufen dazu auf, wieder verstärkt an alternativen Methoden für die Malariabekämpfung zu forschen.

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