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Medizinische Statistik: Müsli zum Frühstück für männlichen Nachwuchs

Wer unbedingt einen männlichen Stammhalter wünscht, sollte nach Ansicht britischer Forscher den Tag mit einer Schüssel Müsli beginnen. Auch eine sonst kalorienreiche Ernährung rund um die Zeit der Empfängnis fördere die Wahrscheinlichkeit, einen Jungen zur Welt zu bringen. Zumindest lassen sich so die statistischen Ergebnisse aus einer Befragung von über 700 werdenden Müttern in Südengland interpretieren. Der Kausalzusammenhang bleibt fraglich.

Die Wissenschaftler um Fiona Mathews von der University of Exeter hatten Frauen bei ihrer ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung in der gynäkologischen Abteilung eines Kreiskrankenhauses darum gebeten, ihre Essgewohnheiten der letzten Monate zu notieren und diese Aufzeichnungen während der Schwangerschaft fortzuführen. Diese Daten teilten die Forscher in drei Gruppen: vor der Empfängnis, während der frühen Schwangerschaft (etwa 16. Woche), späte Schwangerschaft (16. bis 28. Woche). Außerdem definierten die Wissenschaftler zwei Faktorengruppen: zum einen sehr vielseitige, nährstoffhaltige Ernährung – reich an Proteinen, Fett, Vitamin C, Folsäure und Mineralien – sowie zum anderen eine Diät, die besonders viel Vitamin A und B12 aufwies.

Die nährstoffreiche Ernährung hatte statistisch gesehen einen deutlichen Effekt auf das Geschlechterverhältnis der Nachkommen, wobei sich bei genauerem Nachrechnen vor allem der Kaloriengehalt als entscheidend herausstellte. Teilten die Wissenschaftler die Frauen anhand ihrer Energieaufnahme in drei Gruppen, brachten 56 Prozent der Frauen des kalorienreichsten Drittels Jungen zur Welt verglichen mit 45 Prozent ihrer Geschlechtsgenossinen des magersten Menüplans.

Aufgeschlüsselt nach einzelnen Nahrungsmitteln offenbarten sich dann Frühstückszerealien als einziger statistisch relevanter Faktor. Die Wissenschaftler halten es für möglich, dass hier der Blutzuckerspiegel die entscheidende Rolle spielt: Er bliebe bei ausfallendem Frühstück niedrig und könnte so dem Körper mangelhafte Versorgungslage suggerieren. Bei Mäusen hatten südafrikanische Forscher festgestellt, dass Nager, deren Blutzuckerspiegel gezielt niedrig gehalten wurde, tatsächlich mehr Weibchen zur Welt brachten.

Ob hinter dem statistischen Zusammenhang wirklich ein kausaler biologischer steht, ist heiß umstritten. Häufig wird damit argumentiert, dass männliche Nachkommen im Sinne des familiären Fortbestands wichtiger sind, weil sie mehr Nachkommen zeugen können, als Töchter im Vergleich normalerweise gebären. Andererseits seien sie allein auf Grund eines durchschnittlich höheren Geburtsgewichts für die Mutter ressourcenintensiver.

Dementsprechend beobachtet man bei verschiedenen Säugetieren einen Zusammenhang zwischen Ernährungslage des Weibchens bei der Empfängnis oder auch der frühen Schwangerschaft, der letztendlich das Zahlenverhältnis von männlichen und weiblichen Geburten beeinflusst – sowohl über die Befruchtungsrate als auch die Fehlgeburtenquote. Die These, dass es aus evolutionsbiologischer Sicht in schlechten Zeiten sinnvoller ist, auf weiblichen Nachwuchs zu setzen, wurde übrigens ursprünglich für Huftiere entwickelt und stammt aus dem Jahr 1973.

Doch nicht nur die Ernährung, zahlreiche weitere Faktoren sollen einen Einfluss auf das Geschlechterverhältnis der Nachkommen haben: von der Temperatur, die das Überleben von jeweils X- oder Y-haltigen Spermien beeinflusst und daher einen saisonalen Effekt hervorrufen könnte, Stress und Hormonhaushalt der Frauen sowie der Zeitpunkt der eigentlichen Befruchtung in Verhältnis zum Eisprung und auch die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. Sofern sich solche Ergebnisse überhaupt statistisch und darüber hinaus noch kausal behaupten können, so ist ihr Einfluss jedoch so gering, dass sie sich auf keinen Fall für gezielte Maßnahmen auf dem Weg zum Wunschkind eignen. (af)

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  • Quellen
Mathews, F. et al.: You are what your mother eats: evidence for maternal diet prior to conception influencing fetal sex in humans. In: Proceedings of the Royal Society B 10.1098/rspb.2008.0105, 2008.

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