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News: Multimediales Lernen

Die Idee von Fernkursen und Tele-Workshops ist nicht neu, doch eröffnet das Internet neue Möglichkeiten. Von diesen profitiert allerdings längst nicht jeder.
Man lernt niemals aus – dieser Spruch bedeutet in unserer modernen Gesellschaft sicherlich mehr denn je. Kaum ein Arbeitnehmer kann es sich heute noch leisten, sich nicht fortzubilden. Doch selbst wenn der Wille zum Lernen da ist, so hat längst nicht jeder die Möglichkeit, für einen interessanten Wochenendkurs durch halb Deutschland zu reisen.

Fernkurse, Tele- und E-Learning versprechen hier eine einfache und zudem oftmals kostengünstige Alternative. Nicht zuletzt das Internet hat dieser Idee des Lernens Vorschub geliefert und ganz neue Möglichkeiten eröffnet – müssen doch die Teilnehmer dank Videokonferenzen und Chats noch nicht einmal auf den Austausch mit den anderen Kursteilnehmern verzichten. Doch was bringt das Konzept? Lernt man in Online-Kursen wirklich so viel wie in herkömmlichen Seminaren? Oder lernt man am Ende sogar mehr?

Fragen wie diese untersuchen die beiden Psychologen William Maki und Ruth Maki von der Texas Tech University schon seit fünf Jahren. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass tatsächlich ein gewisser Anteil von Kursteilnehmern bessere Ergebnisse erzielt. Die Forscher interessierte natürlich, warum das so ist, und so werteten sie die Abschlussergebnisse von 143 Frauen und 55 Männern aus, die in den letzten zwei Jahren Einführungskurse zur Psychologie an der Universität belegt hatten. Ein Teil dieser Studenten hatte dabei ganz normale Vorlesungen besucht, ein anderer Teil nutzte den Online-Kurs.

Neben der Überprüfung der Kenntnisse vor, nach und während des Kurses – der umfangreiche Fragenkatalog war für Online-Teilnehmer derselbe wie für die normalen Studenten –, untersuchten die Forscher auch, wie gut die Kursteilnehmer mit multimedialen Inhalten zurechtkamen. Dazu mussten die Studenten unter anderem Tonbänder anhören, Texte am Bildschirm lesen und Dias anschauen, die allesamt eine Kindergeschichte erzählten. Anschließend sollten Verständnisfragen zu dieser Geschichte beantworten werden.

Das Ergebnis war bemerkenswert: Denn die multimediale Auffassungsgabe und das Kursformat bestimmten maßgeblich, mit welchem Erfolg ein Student schließlich abschloss. So zeigte sich, dass mit steigendem Verständnis für multimediale Inhalte auch ein deutlich besserer Abschluss erzielt wurde. Dabei schlugen die talentierten Web-Studenten alle anderen Gruppen um Längen – sowohl die weniger geschickten Onliner als auch alle anderen, normalen Kursteilnehmer. Offensichtlich können die multimedial Begabten das Medium voll ausnutzen und schneller Erfolge erzielen.

Interessant ist jedoch, dass selbst diese Überflieger dem Online-Kurs nicht viel abgewinnen können. Im Gegenteil: Die Begeisterung für die Multimedia-Kurse hält sich durch die Bank weg bei fast allen Teilnehmern in Grenzen. Das lag aber offenbar nicht an dem Kurssystem selbst, denn die Online-Komponenten bekamen von den Teilnehmern durchweg gute Noten. Die Psychologen vermuten vielmehr, dass letztendlich doch die Begeisterung der Dozenten zählt und meist auf die Studenten überspringt. Auch die bessere Betreuung wird geschätzt. Die Web-Kurse schrecken hingegen mit einer starren Struktur und vielen Terminen ab – da kann auch ein potenziell größerer Lernerfolg nicht locken.

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