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News: Multiple Ursachen für Multiple Sklerose

Jahrzehntelang versuchten Wissenschaftler erfolglos, eine einzelne Ursache für die schwere Nervenkrankheit Multiple Sklerose zu finden. Daher kamen viele zu der Ansicht, dass mehrere auslösende Faktoren existieren müssen. Diese Auffassung wird von den Ergebnissen einer neuen Studie bestätigt, nach der die Krankheit in mindestens vier verschiedene Kategorien aufgeteilt werden kann: Bei zwei von ihnen handelt es sich vermutlich um Autoimmunerkrankungen, und in den anderen Fällen sind offenbar Viren oder Toxine der auslösende Faktor.
Multiple Sklerose ist eine schwere Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks, in der sich die isolierende Myelinscheide um die Nervenzellfortsätze auflöst. Je nachdem welche Nerven von dieser Entmarkung betroffen sind treten Symptome wie Schwäche, Taubheitsgefühle und Sehstörungen bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen und Lähmungen auf. Um die genauen auslösenden Faktoren der Nervenkrankheit zu ermitteln, untersuchten Hans Lassmann von der Universität Wien und seine Kollegen Claudia Lucchinetti und Wolfgang Bruck Gewebeproben von MS-Patienten, die gerade einen akuten Schub erlitten hatten.

"Man geht allgemein davon aus, dass man mehr Informationen aus der Analyse von frischen Läsionen gewinnen kann als aus dem vernarbten Gewebe, das man bei Autopsien vorfindet", erklärt Samuel K. Ludwin von der Queens University in Kingston, Ontario. Die Wissenschaftler um Lassmann untersuchten die Proben von 51 Patienten, an denen eine Biopsie durchgeführt wurde, um andere Krankheiten als MS auszuschließen, und von 32 Personen, die in Folge eines plötzlichen Aufflammens der Krankheit gestorben waren.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit, die in der Juni-Ausgabe von Annals of Neurology veröffentlicht werden, weisen darauf hin, dass es verschiedene auslösende Faktoren für die Krankheit geben kann. "In diesem Gewebeproben konnten wir vier deutlich unterschiedliche Entmyelinisierungs-Muster entdecken, was vermuten lässt, dass erhebliche Unterschiede in der Pathogenese der Läsionen zwischen den einzelnen Patientengruppen existieren," sagt Lassmann. Dabei deuten zwei Muster auf eine Autoimmunkrankheit hin, während in den anderen beiden anscheinend Viren oder Gifte eine Rolle spielen.

Eine wichtige Konsequenz der vermuteten Unterteilung ist, dass Medikamente und Behandlungsmethoden, die einem Patienten helfen, einem anderen schaden könnten. "Neben den entzündungshemmenden und immunmodulierenden Therapien müsste die Behandlung auf den jeweiligen zurechtgeschnitten werden," meint der Wissenschaftler. Ein Ziel seiner Arbeitsgruppe ist daher, die klinischen und radiologischen Merkmale der einzelnen Gruppierungen zu bestimmen, so dass Mediziner Patienten zuordnen können, ohne Biopsien durchführen zu müssen.

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