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Multiresistente Erreger: Antibiotika mit eingebautem Lockstoff für Immunzellen

Gegen multiresistente Keime sind Antibiotika häufig unterlegen. Nun sollen sie die Fähigkeit erhalten, das Immunsystem zum Erreger hinzulotsen.
Wirkstoffe werden in einer Zellkultur getestet (Symbolbild)

Bakterien wie der »Krankenhauskeim« Staphylococcus aureus verdanken ihre Gefährlichkeit einer doppelten Abwehr: Zum einen bilden sie leicht eine Resistenz gegen gebräuchliche Antibiotika aus, zum anderen verstecken sie sich vor dem Immunsystem. Nun hat eine Forschergruppe um Jennifer Payne von der australischen Monash University ein Verfahren getestet, das gegen beide Abwehrstrategien gleichzeitig vorgeht. Es bekämpft den Erreger wie ein herkömmliches Antibiotikum und lockt gleichzeitig Neutrophile an. Diese Fresszellen können dann ihrerseits das Bakterium attackieren.

Im Fachblatt »Nature Communications« erklärt die Gruppe die Details ihres Ansatzes. Die Forschenden verwendeten als Basis das Antibiotikum Vancomycin. Es lagert sich an die Zellmembranen von Staphylococcus aureus an. Um Immunzellen anzulocken, koppelten sie an das Vancomycin-Molekül so genannte formylierte Peptide, kurz fPeps, von denen schon länger bekannt ist, dass sie Neutrophilen den Weg zum Erreger weisen.

Normalerweise orientieren sich die Fresszellen dabei an fPeps, die von den Bakterien selbst freigesetzt werden. Die Immunzellen schwimmen immer in die Richtung, in der die Konzentration dieser kurzen Aminosäureketten zunimmt. Diesen Prozess imitiert nun das Verbundmolekül und hebt somit zumindest teilweise die Tarnung auf, mit der sich Staphylococcus aureus vor dem Immunsystem versteckt.

Bei Versuchen im Labor und an Mäusen habe das verbesserte Antibiotikum bereits unter Beweis gestellt, dass es den gefährlichen multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) besser bekämpft als Vancomycin allein – ungefähr doppelt so gut bei einer um ein Fünftel reduzierten Dosis, schreiben die Forscherinnen und Forscher in ihrer Studie. Noch aber verstehen sie ihre Experimente als Grundlagenforschung. Mit einem baldigen Einsatz an menschlichen Patienten ist daher nicht zu rechnen. Damit das hybride Antibiotikum die erhoffte Wirkung zeigte, musste Paynes Gruppe Art, Länge und Ankopplungsstelle für das fPep-Molekül sorgfältig optimieren. Ein Vorgang, der noch längst nicht abgeschlossen sei und weiter betrieben werden müsse, bevor der Wirkstoff einsatzreif werde.

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