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Medizin: Multiresistente Keime auf dem Vormarsch

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Wissenschaftler zeigen sich besorgt über die zunehmende Gefahr, die von multiresistenten Bakterien ausgeht. Anlass sind zwei unabhängige Studien über die Ausbreitung des Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) sowie die Entdeckung eines neuen multiresistenten Streptococcus pneumoniae-Stammes.

Eine Forschergruppe um Monina Klevens von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta hatte die Verbreitung des als "Krankenhauskeim" bekannten MRSA in der US-amerikanischen Bevölkerung untersucht – mit dem Augenmerk darauf, wo sich die Personen angesteckt haben könnten [1].

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Staphylococcus aureus | Keime, die sich nicht mehr ohne Weiteres mit Antibiotika bekämpfen lassen, wie dieser methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA), sind nicht nur in Krankenhäusern anzutreffen.
Die meisten MRSA-Träger hatten sich den Keim im Krankenhaus oder in anderen medizinischen Einrichtungen eingefangen. Zur Überraschung der Wissenschaftler waren jedoch mit 15 Prozent erstaunlich viele Patienten woanders mit dem Erreger in Berührung gekommen. Die Forscher zeigen sich deshalb besorgt: Zwar trete noch die Mehrzahl der multiresistenten Bakterien im Zusammenhang mit medizinischer Versorgung auf, doch breite sich der Keim immer weiter in der Bevölkerung aus.

Zunehmend tauchen auch in anderen Bakteriengattungen multiple Antibiotikaresistenzen auf. So zum Beispiel bei Pseudomonas aeruginosa, der in Krankenhäusern häufig Wundinfektionen auslöst, oder bei verschiedenen Darmbakterien wie Enterobacter und Citrobacter.

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Streptococcus pneumoniae | Der Erreger kann schwere Ohren- und Atemwegsinfektionen verursachen und entwickelt zunehmend Resistenzen gegen Antibiotika sowie ein Pneumokokken-Vakzin.
Wissenschaftler um Michael Pichichero von der Universität Rochester haben nun einen Streptococcus pneumoniae-Stamm entdeckt, der sich nicht mit gebräuchlichen Antibiotika bekämpfen lässt [2]. Diesen Keim fanden sie bei Kindern mit einer Mittelohrentzündung, die sich jeglicher Therapie entzogen hatte.

Zwar werden ständig neue Antibiotika entwickelt, doch halten es Mediziner für besonders wichtig, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen: Gezielte Hygienemaßnahmen und der kontrollierte Gebrauch von Antibiotika könnten zumindest die Verbreitung und Entstehung neuer Resistenzen eindämmen. (as)
17.10.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 17.10.2007

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