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Multiresistente Erreger: Simulation soll Krankenhauskeime bekämpfen

Ein Computermodell berechnet, wer im Krankenhaus wen trifft - und dabei gefährliche Bakterien überträgt. Das Modell soll helfen, potenzielle Überträger abzufangen.
Vernetzt

Ein Computermodell könnte Menschen identifizieren, die ahnungslos gefährliche Krankenhauskeime mit sich tragen. Die Simulation soll in Kliniken antibiotikaresistente Krankheitserreger bei Patientinnen und Patienten aufspüren. Solche Infektionen treten jedes Jahr millionenfach in Krankenhäusern rund um die Welt auf, weil Menschen die Bakterien häufig ohne Symptome tragen und dann in der Klinik verbreiten. Sen Pei und Jeffrey Shaman von der Columbia University in New York City entwickelten nun zusammen mit Fredrik Liljeros von der Universität Stockholm ein Computermodell, in dem simulierte Personen, Agenten genannt, sich durch ein Krankenhaus bewegen und miteinander interagieren. Um das System realistisch zu machen, nutzte das Team beim Aufbau des Systems echte Daten eines Ausbruchs des Krankenhauskeims MRSA in 66 schwedischen Krankenhäusern.

Anhand von Daten historischer Ausbrüche und Kontakte in Krankenhäusern zeigte die Gruppe, dass die Simulation diese realitätsgetreu nachbildet. Das Modell identifizierte außerdem diejenigen Agenten, die am wahrscheinlichsten symptomlose MRSA-Träger waren, berichtet das Team in seiner Veröffentlichung in »PNAS«. Diese scheinen für einen großen Teil der Fälle verantwortlich zu sein. Wenn das Team in seinem simulierten Krankenhaus das eine Prozent der Agenten mit dem höchsten Risiko alle vier Wochen isolierte, sank die Zahl der MRSA-Fälle um 40 Prozent. Damit sei die Technik effektiver als die bisherigen Verfahren, die in Kliniken eingesetzt werden, schreibt die Gruppe in der Veröffentlichung. Den Fachleuten zufolge könnten solche Modelle Gesundheitseinrichtungen helfen, Krankenhauskeime zu minimieren.

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