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Bestattungsriten: Mumifizierung könnte längere Tradition haben als gedacht

Konservierten Jäger und Sammler in Europa ihre Toten schon vor 8000 Jahren? Schwedische Forscher fanden Indizien dafür in einer Grabungsstätte in Portugal.
Rita Peyroteo Stjerna arbeitet mit den Skeletten

Von Mumifizierung spricht man, wenn ein Leichnam konserviert wird. Am berühmtesten dürften wohl die ägyptischen Mumien sein, die mit viel Aufwand gewaschen, ausgeweidet, getrocknet, einbalsamiert und dann bandagiert wurden. Doch in anderen Kulturen waren verschiedene Arten der Mumifizierung ebenfalls weit verbreitet und auch auf natürliche Weise entstehen mitunter Mumien. In Europa könnten Tote womöglich schon vor 8000 Jahren mumifiziert worden sein – und damit deutlich früher, als man bislang annahm. Vorsichtige Hinweise darauf fand nun ein Forschungsteam um Rita Peyroteo-Stjerna von der Universität Uppsala in Schweden.

Die Gruppe analysierte wiederentdeckte Fotos von 13 Individuen, deren Überreste in den 1960er Jahren in einer mesolithischen Fundstätte im Sado Valley in Portugal gefunden worden waren. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schauten sich dabei genau an, in welcher Position die Knochen in ihren Gräbern lagen und bezogen außerdem Wissen darüber mit ein, wie menschliche Körper mit der Zeit zersetzt werden. Zudem griffen sie auf die Ergebnisse von Verwesungsexperimenten zurück, die forensische Anthropologen in Texas mit Leichnamen und Mumien durchgeführt hatten.

Bei einigen der 8000 Jahre alten Skelette konnten sie so Anzeichen für etwas entdecken, das die Autoren als »gelenkte natürliche Mumifizierung« bezeichnen. Dabei ließ man die Körper offenbar über eine längere Zeitspanne hinweg austrocknen, während man sie mit Bändern oder Bandagen in einer Art hockenden Position fixierte. Dadurch seien sie wahrscheinlich anschließend leichter zu transportieren gewesen und man konnte sie anatomisch intakt beerdigen, wie die Forscher im »European Journal of Archaeology« schreiben.

Für diesen Vorgang spricht die Tatsache, dass manche der Körper offenbar in einer extrem gebeugten Haltung beerdigt worden waren, bei der die Beine an den Knien abgeknickt und Richtung Oberkörper gezogen worden waren. Zudem seien die Gelenkverbindungen selbst an eher »schwachen« Gelenken wie den Füßen noch erhalten gewesen – was im nicht mumifizierten Zustand ebenfalls untypisch ist.

Zusammengenommen konnten Peyroteo-Stjerna und ihre Kollegen allerdings nur Indizien dafür finden, dass die Mumifizierung von Toten in Europa schon vor 8000 Jahren eine verbreitete Praxis war. Da weiche Gewebeteile in aller Regel nicht lange genug erhalten bleiben, ist es extrem schwierig, eine Mumifizierung über solche großen Zeitspannen hinweg nachzuweisen. Die ältesten künstlichen Mumien, die man bislang als solche identifizieren konnte, sind etwa 7000 Jahre alt und stammen von den Jägern und Sammlern der Chinchorro-Kultur, die einst die Atacama-Wüste im Norden Chiles bewohnten. Die meisten Mumien, die man bislang fand, sind allerdings zwischen wenigen 100 und 4000 Jahren alt.

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