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Evolution: Revolution im Dino-Stammbaum?

Mehr als 130 Jahre lang hat man Raubsaurier wie den Tyrannosaurus rex zu den echsenartigen Dinos gezählt. Doch das war wohl falsch. Sie gehören zu einem ganz anderen Zweig.
Tyrannosaurus rexLaden...

"Wenn sich das bestätigt, müssen die Lehrbücher umgeschrieben werden", sagt der Paläontologe Thomas Holtz von der University of Maryland in College Park gegenüber "Nature". Mit diesem Urteil sind Wissenschaftler bisweilen schnell bei der Hand, doch bei der sich anbahnenden Revolution im Stammbaum der Dinosaurier hätte Holtz sicher Recht. Mehr als 130 Jahre galt, dass sich die Dinos in zwei große Gruppen einteilen lassen: in die Ordnung der Vogelbeckensaurier (Ornithischia) mit Triceratops oder Stegosaurus als bekannten Vertretern einerseits und in die der Echsenbecken- und Raubsaurier (Sauropoda und Theropoda) andererseits. Diese zweite Ordnung umfasst beispielsweise Theropoden wie Tyrannosaurus rex oder die gigantischen Sauropoden der Gattung Diplodocus. Die Paläontologen Matthew G. Baron, David B. Norman und Paul M. Barrett vom Natural History Museum in London stoßen diese Klassifizierung – basierend auf Gemeinsamkeiten der jeweiligen Beckenknochen – in "Nature" jedoch um. T. rex und Co wandern demnach komplett auf die Seite der Vogelbecken-Dinosaurier und bilden mit diesen die gemeinsame Ordnung der Ornithoscelida.

Für ihre Studie haben die Paläontologen die Familienverhältnisse von 74 Dinosaurierarten auf Ähnlichkeiten und Unterschiede analysiert, wofür sie 450 anatomische Eigenschaften betrachteten. Dabei zeigten sich mehr als 20 wichtige anatomische Übereinstimmungen zwischen den Theropoden und den Ornithischia-Arten, etwa am Kiefer oder bei charakteristischen Fußknochen. "Die Fleisch fressenden Theropoden waren mit den Pflanzen fressenden Vogelbeckensauriern viel enger verwandt als gedacht", so Baron. Dagegen würden manche Arten wie Diplodocus anatomisch aus der traditionellen Übergruppierung der Dinosaurier herausfallen und demnach einen anderen Namen tragen müssen, merkt der Forscher noch an. Deshalb müsse die Definition des Dinosauriers so verändert werden, dass diese Giganten weiterhin als Dinos bezeichnet werden können. Die neue Gruppierung trägt die Bezeichnung Ornithoscelida. Sie wurde 1870 vom britischen Evolutionsbiologen Thomas Henry Huxley eingeführt und später verworfen, aber nun wieder neu belebt.

Der neue Stammbaum passt besser zur Evolution der Vögel, die aus den Theropoden hervorgingen – und somit auch enger mit den riesigen Sauropoden verwandt wären, obwohl sie eigentlich ihre Beckenstruktur sowie die Federn mit den Ornithischia teilen. Die neue Zusammenstellung rückt dieses Missverhältnis zurecht. Bevor die Entwicklungslinien allerdings korrigiert werden, müsse die Studie von Baron und Co noch bestätigt werden, mahnt beispielsweise der Paläontologe Hans-Dieter Sues vom Smithsonian Institution National Museum of Natural History in Washington gegenüber "Nature".

Und dies gelte ebenso für einen Nebenaspekt der Studie. Barons Team hat auch ein Fossil namens Saltopus untersucht, dem bislang wenig Beachtung geschenkt wurde. Tatsächlich könnte es jedoch die Entwicklungsgeschichte der Dinosaurier um weitere zehn Millionen Jahre nach hinten verlegen: Die ersten Dinos hätten dann schon vor 247 Millionen statt vor 237 Millionen Jahren gelebt. Außerdem könnten sie auf der Nord- statt auf der Südhalbkugel entstanden sein – das Fossil stammt aus einem Gebiet, das zum heutigen Nordamerika zählt. Bislang war man mehrheitlich davon ausgegangen, dass die Dinos in Gondwana und damit dem südlichen Teil des Superkontinents Pangäa erstmals aufgetaucht wären. Dies könne jedoch auch daran liegen, dass man ähnlich alten Gesteinsschichten in Südamerika bisher noch viel weniger Beachtung geschenkt hat als ihren nördlichen Pendants, merkt Sues an. Der Stammbaum könnte also noch einige Male erweitert und umgestellt werden.

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