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Infektionskrankheiten: Mutmaßliches neues Kinderlähmungsvirus erhöht Sterblichkeit nicht

Im Jahr 2014 kam es in Nordamerika zu einer heftigen Erkrankungswelle mit dem Enterovirus D68. Doch eine Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet.
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Seit den 1960er Jahren kennt die Medizin das Enterovirus D68 (EV-D68), doch löste es bis zum Jahr 2014 nur selten schwere Komplikationen aus. 2015 kam es erstmals in Nordamerika zu einer größeren Erkrankungswelle bei Kindern und Jugendlichen, die wahrscheinlich durch eine erst vor relativ kurzer Zeit erfolgte Mutation des Virus ausgelöst wurde. Viele Patientinnen und Patienten mussten sich in Kliniken behandeln lassen, weil ihre Atemwegsinfektionen relativ schwer verliefen. Eine Studie von Dominik Mertz von der McMaster University im kanadischen Hamilton belegt nun immerhin, dass sich dadurch das Risiko für extrem schwere Krankheitsverläufe oder gar Todesfälle verglichen mit anderen Atemwegsinfektionen nicht erhöht hat. Entsprechende Befürchtungen wurden angesichts einzelner Berichte laut. Ein Vergleich von 297 Kindern, die wegen EV-D68 oder anderer Viruserkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, konnte jedoch keinen signifikanten Unterschied zeigen.

EV-D68-Patienten litten zwar vermehrt unter Atembeschwerden und hatten größere Schwierigkeiten beim Luftholen, weswegen sie sich häufiger in die Klinik begaben. Auf die Intensivstation mussten sie dennoch nicht öfter verlegt werden als beispielsweise Erkrankte mit einer durch andere Viren ausgelösten Lungenentzündung. Viele der EV-D68-Betroffenen oder nahe Familienangehörige litten allerdings schon zuvor an Asthma oder Allergien, weshalb sie womöglich anfälliger für schwerere Krankheitsverläufe waren. Das Enterovirus wird zudem verdächtigt, eine bestimmte Form der Kinderlähmung auszulösen, die einige ehemalige EV-D68-Patienten betrifft. Allein seit dem Herbst 2014 wurden mehr als 100 Fälle nachgewiesen, in denen Kinder zuvor an EV-D68 erkrankt waren. Entsprechende Gensequenzen wurden vor Kurzem nachgewiesen. Das Virus ist eng mit dem Poliovirus verwandt, das vor der Entwicklung wirksamer Impfstoffe Kinderlähmung verursachte.

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