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News: Mutterinstinkt per Botenstoff

Eine gute Mutter verteidigt ihre Jungen mit Zähnen und Klauen - dieses Bild ist jedem bekannt. Die Chemie hinter dem Mutterinstinkt ist jetzt Thema einer Studie amerikanischer Wissenschaftler. Sie fanden heraus, daß manche Mäuse, denen aufgrund eines genetischen Defekts ein bestimmter Botenstoff im Gehirn fehlt, ein stark verändertes Verhalten zeigen: Die Männchen werden sehr viel aggressiver, junge Mütter dagegen 'zahmer'. Der betroffene Botenstoff, das Stickstoffmonoxid, scheint nach diesen Ergebnissen eine wichtige Rolle bei Verhaltensänderungen während und nach einer Schwangerschaft zu spielen.
Eigentlich waren die genetisch manipulierten Mäuse einmal für Experimente gedacht, in denen Gehirnschädigungen nach Schlaganfällen untersucht werden sollten. Sie wurden mit einer defekten Kopie des Gens für die Stickstoffmonoxidsynthase versehen, das Protein, welches für die Produktion von Stickstoffmonoxid im Hirn verantwortlich ist. Dadurch sollte so gut wie kein Stickstoffmonoxid, das als Neurotransmitter fungiert, mehr im Hirn vorhanden sein. Vor vier Jahren nun entdeckten die Wissenschaftler einen unerwarteten Nebeneffekt dieser Genmanipulation: Die männlichen Mäuse reagierten ungewöhnlich aggressiv, sowohl gegen andere Männchen, als auch bei ihren "Annäherungsversuchen" bei den Weibchen. Bei ihnen schien das Stickstoffmonoxid daran beteiligt gewesen zu sein, ihre Aggressionen zu dämpfen.

Nun untersuchten Randy Nelson und seine Mitarbeiter von der The Johns Hopkins University einen weiteren Verhaltensaspekt mit Hilfe der veränderten Mäuse (Journal of Neuroscience, Ausgabe vom 15. September 1999, Abstract). Sie beobachteten die Weibchen zu dem einzigen Zeitpunkt, an dem normalerweise auch sie ein verstärkt aggressives Verhalten an den Tag legen – nach der Geburt ihrer Jungen. Dazu wurden die stolzen Mütter vier Tage nach der Niederkunft etwa zehn Minuten täglich mit einem kräftigen Männchen konfrontiert. Während die "normalen" Weibchen einer Vergleichsgruppe dieses Männchen heftig attackierten und es so zu einem Kampf oder einer Flucht des Männchens kam, zeigten sich die manipulierten Mütter wenig verteidigungsbereit. Ihre Anstrengungen, den Eindringling zu vertreiben, waren bedeutend schwächer oder kaum zu erkennen. Insgesamt verwendeten diese Weibchen 15mal weniger Zeit auf Angriffshandlungen als ihre genetisch unbehandelten Genossinnen. Bei allen anderen Aspekten des mütterlichen Verhaltens ergaben sich keine Unterschiede. Es zeigten sich auch alle gleich erfolgreich beim Nestbau und das Gewicht und die Überlebensrate der Jungen der behandelten Weibchen waren sogar größer.

Stephen Gammie vom Department of Psychology der The Johns Hopkins University versucht, eine Erklärung für diese Ergebnisse zu finden: "Für die Männchen ist es sinnvoll, sich während der Aufzuchtsphase aggressiv zu verhalten, da so mehr Weibchen erreichbar sind und es zu Attacken auf die Nachkommen anderer Männchen kommen kann. Für die Weibchen ist es gefährlich, ein kräftigeres Männchen herauszufordern, daher macht es Sinn, ihre Aggressionen auf die Zeiten zu beschränken, in denen die Jungen in ihrem Nest beschützt werden müssen. Also benötigen die Weibchen einen Weg, ihre Aggressionen schnell heraufzufahren, aber sie auch genausoschnell wieder 'auszuknipsen'."

Das Stickstoffmonoxid scheint also wichtige und sehr unterschiedliche Auswirkungen auf das Verhalten der Mäuse zu haben: Während es die Weibchen während ihrer Mutterphase stark macht, sorgt es bei den Männchen dafür, daß diese sich etwas gemäßigter verhalten. Also doch alles nur Chemie?

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