Direkt zum Inhalt

Funksignal aus dem All: Mysteriöses Alien-Signal leider doch nicht mysteriös

Hatten hier Aliens gefunkt? 2019 fing die Initiative »Breakthrough Listen« ein bemerkenswertes Radiosignal aus dem All auf. Nun liefert die Gruppe eine ernüchternde Erklärung.
Das Parkes Teleskop in Australien bei Nacht. Es handelt sich dabei um ein Radioteleskop.

Immer wieder hatten Forscherinnen und Forscher betont, dass das 2019 empfangene, mysteriöse Signal BLC1 höchstwahrscheinlich kein Anzeichen auf Außerirdische sei. Sie sollten Recht behalten. Denn in zwei Fachpublikationen gibt das Forscherteam des Breakthrough-Listen-Projekts nun bekannt: Das Signal BLC1 ist definitiv kein Alien-Funksignal von unserem nächstgelegenen Stern Proxima Centauri. Die Artikel sind im Fachmagazin »Nature Astronomy« erschienen.

BLC1 ist die Abkürzung für »Breakthrough Listen Candidate 1«. Das Breakthrough-Listen-Projekt startete im Jahr 2015 und wird vom russisch-israelischen Milliardär Juri Milner im Rahmen der Breakthrough-Initiative finanziell gefördert. Es geht um SETI, die Suche nach Anzeichen für außerirdisches Leben. Das Projekt Breakthrough Listen beschäftigt sich mit der Jagd nach Technosignaturen. Das sind Signale aller Art aus dem All, die von hoch entwickelten Alien-Zivilisationen stammen.

Forscherteams auf der Jagd nach »Technosignaturen«

Bislang wurde noch keine derartige Technosignatur gefunden – bis vielleicht zu jenem Tag im Jahr 2019, als ein Praktikant der Initiative die Signale durchforstete, die das Parkes-Radioteleskop in Australien von unserem nächstgelegenen Stern Proxima Centauri aufgefangen hatte. Ein einziges Signal passierte alle Filter und Prüfungen, die sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überlegt hatten, um Störsignale und falsche Hoffnungen herauszufiltern: eine schmalbandige Emission bei 982,002 Megahertz. Das Signal schien definitiv von Proxima Centauri zu kommen. Natürliche astrophysikalische Ursachen oder Erklärung gab es nicht. Hingegen ist bekannt, dass Proxima Centauri von mindestens zwei Planeten umkreist wird. Also doch vielleicht Aliens? So unwahrscheinlich dies auch sein mochte?

Sofia Sheikh von der University of California in Berkeley führte das Team an, das BLC1 in den folgenden Monaten überprüfte. Denn der Datensatz, aus dem BLC1 als einziger Kandidat aufploppte, umfasste ursprünglich über vier Millionen Signale. Daraus konnte man alle Signale aussortieren, die keinerlei Verschiebung in ihrer Frequenz aufweisen: Wenn ein Signal von einem anderen Stern oder Planeten kommen sollte, gibt es eine Bewegung der Quelle relativ zum Teleskop. Ein irdisches Signal würde hingegen keine solche Frequenzverschiebung enthalten. Übrig blieben noch rund eine Millionen Signale – aber auch diese konnte man weiter filtern.

Entscheidend war hier die On/Off-Position des Teleskops: Um zu entscheiden, ob ein potenziell mysteriöses Signal wirklich von einem Himmelskörper ausgesendet wird oder ob ein irdisches Störsignal wortwörtlich dazwischenfunkt, beobachtete das Forscherteam zunächst Proxima Centauri und ließ das Teleskop danach in eine andere Richtung zeigen – in eine so genannte Off-Position. Die Emission bei 982,002 Megahertz war ursprünglich nicht in der Off-Position beobachtet worden, was die Forscherinnen und Forscher darauf schließen ließ, dass es wirklich aus der Richtung unseres Nachbarsterns stammte.

Entmystifiziert: Wahrscheinlich stammt BLC1 von einem elektronischen Gerät auf der Erde

Bei einer erneuten Analyse derjenigen Signale, die ursprünglich als irdische Störsignale herausgefiltert worden waren, ergab sich jedoch ein anderes Bild: Denn Sheikh und ihre Kolleginnen und Kollegen fanden darin rund 60 Signale, die BLC1 stark ähnelten, also eine ähnliche schmalbandige Emission aufzeigten. Diese waren aber nicht nur zu sehen, wenn das Teleskop Richtung Proxima Centauri zeigte, sondern auch in der Off-Position. Somit müssen sie irdischen Ursprungs sein und als Störsignale gelten.

Die Schlussfolgerung des Forscherteams: Auch BLC1 wurde auf der Erde erzeugt. Es sei Zufall, dass es nur zu sehen war, als das Teleskop in Richtung Proxima Centauri ausgerichtet war und nicht auch noch in der Off-Position. Auch das sei angesichts der schieren Menge an Daten gar nicht einmal so unwahrscheinlich. Ein Hauch von Mysterium bleibt, denn es war nicht möglich, den irdischen Missetäter eindeutig zu identifizieren. Wahrscheinlich handle es sich um ein elektronisches Gerät, dessen Signal sich mit weiteren Interferenzen im Radiobereich vermischt und überlagert hat.

Auch das ist zwar irgendwie eine Technosignatur – aber unsere eigene. Die Suche nach funkenden Aliens geht weiter.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte