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Wacken Open Air: Metal-Fans halten Schmerzen besser aus

Nach einigen Tagen lauter Musik und wenig Schlaf auf dem Wacken Open Air konnten Metal-Fans offenbar Schmerzen länger ertragen. Welche Rolle Alkohol dabei spielte.
Eine Menschenmenge bei einem Konzert auf dem Wacken Open Air hebt eine Person zum Crowdsurfing über ihre Köpfe. Die Szene findet vor einer großen Bühne statt. Viele der Anwesenden tragen Band-T-Shirts und zeigen Handgesten, die oft bei Rockkonzerten verwendet werden.
Metal-Fans auf dem Wacken Open Air 2023. Das Festival lockt jedes Jahr rund 80 000 Besucher in die kleine Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein.

Auf dem Wacken Open Air müssen Metal-Fans so einiges aushalten: Schlamm, kaum Schlaf und – natürlich – laute Musik. Nach einigen Festivaltagen scheinen sie abgehärteter zu sein als vorher. Sie halten dann Schmerzen länger aus, wie eine Feldstudie eines Forschungsteams des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig zeigt, die in »Scientific Reports« erschienen ist.

An der Studie nahmen während des Wacken Open Air 2023 insgesamt 122 Metal-Fans teil, die im Schnitt Mitte 30 waren. Das Forschungsteam untersuchte 60 von ihnen bereits einen Tag vor Festivalbeginn und weitere 62 am dritten und vierten Festivaltag. Die Teilnehmer mussten Hand und Unterarm in zwei Grad kaltes Eiswasser tauchen und angeben, ab wann sie dies als schmerzhaft empfanden. Die Forscher stoppten dann die Zeit, wie lange sie den Arm trotz Schmerzen im Wasser ließen. Die Teilnehmer gaben zudem auf einer Skala an, wie unangenehm der Schmerz für sie war.

Die Ergebnisse fielen zunächst ernüchternd aus. Weder der Zeitpunkt des ersten Schmerzempfindens noch die Dauer, die die Teilnehmer den Arm im Eiswasser hielten, oder die Bewertung des Schmerzes unterschieden sich zwischen den Gruppen statistisch. Das änderte sich erst, als aus beiden Gruppen insgesamt 14 Personen von der Studie ausgeschlossen wurden: jene, die am Testtag mehr als sechs alkoholische Getränke konsumiert hatten. Alkohol kann die Schmerzwahrnehmung beeinflussen und gilt daher als möglicher Störfaktor. Nach dem Ausschluss der stärker alkoholisierten Metal-Fans zeigte sich, dass Teilnehmer am dritten und vierten Festivaltag den Arm länger im Eiswasser halten konnten als die Vergleichsgruppe vor Festivalbeginn. Wann sie den Schmerz bemerkten und wie unangenehm sie ihn fanden, unterschied sich dagegen weiterhin nicht. Die Daten sprechen damit eher für eine erhöhte Schmerztoleranz als für eine veränderte Schmerzwahrnehmung.

Auch wenn die Studie zunächst kurios wirkt, hat sie einen ernsten Kern, so die Autoren: Musik wird in der Schmerztherapie häufig eingesetzt, um Entspannung und positive Gefühle zu fördern. »Wenn es aber darum geht, auch mal seinen Ärger auszuleben, will man ja nicht unbedingt Entspannungsmusik hören«, sagt Tom Fritz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. »Akzeptanz unangenehmer emotionaler Zustände oder schwieriger Situationen spielt eine zentrale Rolle für die Resilienz und die Schmerztoleranz, und wütende Musik hören kann daher vorteilhaft sein, anstatt unangenehme Emotionen mit positiven Emotionen zu überdecken.«

Ob Metalmusik oder andere emotional aufwühlende Musikformen tatsächlich dazu beitragen können, chronische Schmerzen zu lindern, bleibt jedoch offen. Unklar ist auch, ob die beobachtete höhere Schmerztoleranz wirklich auf die Musik zurückgeht oder etwa auf das Gemeinschaftsgefühl oder andere Aspekte des Festivalerlebnisses.

  • Quellen

Schneider, L., Fritz, T., Scientific Reports 10.1038/s41598–026–67389-x, 2026

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