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News: Nachmacher

"Nachmacher, Nachmacher!", diese spöttischen Worte hat sicher fast jeder einmal in seiner Kindheit von einem Spielgefährten zu hören bekommen. Tatsächlich ist aber bereits von den ersten Lebenswochen an das Lernen durch Nachahmung ungeheuer wichtig für die kindliche Entwicklung. Auch unsere nächsten Verwandten, die Affen - und zwar besonders Schimpansen - sind zum Lernen durch Imitation in der Lage. Sie ahmen jedoch nicht nur vorgemachte Handlungen einfach nach, sondern können diese so generalisieren und sie damit auch in anderen Zusammenhängen einsetzen.
Immer wieder faszinieren uns Bilder über wildlebende Schimpansen-Populationen, die ihrem Nachwuchs trickreiche Verhaltensweisen beibringen: Sie angeln nach Ameisen aus einem hohlen Ast mit Hilfe kleiner, geduldig in den Ast geführter Stöckchen, knacken höchst effizient Nüsse oder waschen Knollen vor dem Verzehr. Auch nicht-freilebende, von Menschen aufgezogene Affen können erstaunliche Dinge durch Nachahmung ihrer Bezugsperson erlernen. Sie sind etwa in der Lage, unerreichbares Futter mit Hilfe von Werkzeugen zu ergattern, Gegenstände zu sortieren oder sogar Teile der Gebärdensprache zu erlernen.

In zoologischen Gärten erfreuen wir uns regelmäßig daran, wie Schimpansen Gesten von Besuchern unmittelbar nachmachen. Schon lange war erkennbar, dass diese Affen nicht einfach nur genau das imitierten, was sie vorgemacht bekamen, sondern darüber hinaus die Verhaltensweisen variierten. Sind diese Affen also in der Lage, Handlungsmuster zu erlernen, sich an diese in passenden Situationen zu erinnern und sie dann sogar an die aktuellen Erfordernisse anzupassen?

Was als Fragestellung erst mal reichlich abstrakt klingt, haben die vier Forscher David Bjorklund, Jennifer Yunger, Jesse Bering und Patricia Ragan von der Florida Atlantic University nun systematisch und ganz praktisch untersucht. Dazu stellten sie drei junge, von Menschen aufgezogene Schimpansen vor sieben verschiedene Aufgaben. Für die Dauer der Experimente waren die drei Affen jeweils alleine im Gehege.

Zunächst bekamen sie von einer ihnen bekannten Bezugsperson Gegenstände präsentiert, verbunden mit einer kurzen Handlung. Diese sollten sie dann zehn Minuten später wiederholen. Dafür erhielten sie lediglich die Gegenstände, ohne durch Aufmunterungen oder Leckerbissen weiter animiert zu werden. So bekamen sie eine oben offene kleine Holzkiste, mit der sie durch einen am Boden angebrachten Mechanismus Musik spielen konnten. Dazu mussten sie mit Hilfe eines Aluminiumrohres eine CD in die Verankerung herunterdrücken.

Diese Aufgabe erforderte einiges Geschick. Tatsächlich bewältigten sie alle drei Tiere. Hatte ein Schimpanse erfolgreich die Musik in Gang gesetzt, wurde er unmittelbar vor eine weitere Herausforderung gestellt. Um zu beobachten, ob die Tiere zu einer Generalisierung der Handlung in der Lage sein würden, bekamen sie nun eine schmale, lange Röhre offeriert, die am Boden den gleichen Musikmechanismus enthielt. Alle drei Schimpansen versuchten daraufhin, auch hier mit Hilfe des Aluminiumstabes die Musik in Gang zu bringen. Ähnlich clever stellten sich die Affen auch bei den anderen sechs Aufgaben an.

Diese Transferleistungen zeigen, dass die Schimpansen zur Generalisierung von Handlungsmustern in der Lage sind. Sie können komplexe Verhaltensweisen erlernen, variieren und ihrem Nachwuchs weitergeben. Als reine "Nachmacher" bräuchten sie sich daher auch nicht verspotten lassen, da das "Nachmachen" lediglich er erste notwendige Schritt zu eigenständigem Handeln ist.

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