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Zirkadiane Stimmungsschwankungen: Nächtliche Schrecken nicht wegen des Dunkels

Fürchten wir uns nachts, weil es dunkel ist - oder weil es Nacht ist? Psychologen möchten dies herausfinden, um einmal mehr über Panikstörungen zu lernen. Die Experimente sind aber kompliziert.
AngstLaden...

Die Schrecken der Dunkelheit könnten eigentlich die Schrecken der Nacht sein – und damit wohl Ursache unserer inneren Uhrzyklen, berichten Psychologen. Zuvor hatten sie Experimente durchgeführt, bei denen sie Versuchsteilnehmer zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten und im Dunkeln und Hellen absichtlich erschreckt haben. Dabei zeigt sich, dass wir vor allem nachts furchtsamer sind – nicht aber notwendigerweise, weil es dann dunkel ist.

Die Probanden der Versuche von Yadan Li von der Southwest University in China – es handelte sich um 120 junge Frauen – waren für die Versuche mal morgens oder abends sowie jeweils in einem hellen oder dunklen fensterlosen Arbeitsraum eingeschlossen und sollten sich dort verschiedene Bilder anschauen und Geräuschen lauschen. Diese waren teils neutral (Landschaftsaufnahmen oder Vogelstimmen), teils erschreckend (ein verwundeter Mensch, Schreie). Gleichzeitig wurde ihr Hautwiderstand gemessen, um ein mögliches Erschrecken zu quantifizieren.

Am Ende zeigte sich, dass vor allem der Zeitpunkt des Tests einen Unterschied machte: Abends (getestet wurde zur Tagesschauzeit) wurden die erschreckenden Bilder und Töne stärker auch als erschreckend wahrgenommen, wie die Messungen und die Selbstauskunft der Teilnehmerinnen belegte. Dies war aber unabhängig von der Beleuchtung – ob dunkel oder hell, machte keinen Unterschied, egal ob morgens oder abends. Offenbar spielt demnach die Phase unseres inneren Tagesrhythmus also eine größere Rolle für die Schreckhaftigkeit, vermuten die Forscher.

Dies müsse allerdings noch in weiteren Studien abgeklärt werden, so die Psychologen – vor allem müssten vielleicht noch andere Tages- und Nachtzeiten getestet werden. Denkbar ist etwa auch, dass der Grad der Ausgeschlafenheit eine Auswirkung auf die Ergebnisse hatte; oder dass eine dunkle, aber objektiv als sicher wahrgenommene Versuchsumgebung eben einfach nicht als bedrohlich wahrgenommen wird. Die Studie könne demnach nur ein erster Schritt sein, so die Erstautorin: Immerhin sei aber gut denkbar, dass die Angstverarbeitung und der Zyklus der inneren Uhr zusammenhängen. Die Forscher möchten mit weiteren Versuchen am Ende einmal Angststörungen besser verstehen lernen und zum Beispiel herausfinden, ob und warum nächtliche Panikattacken ausgelöst werden. Auch zu diesem Zweck sind die Untersuchungen über die bloße Schreckhaftigkeit von gesunden Probanden zwar nicht sehr aussagekräftig: Schwere Panikstörungen sind damit kaum vergleichbar und haben unterschiedliche Ursachen, Attacken sind zudem nachts nicht häufiger. Ob diese womöglich auch durch Prozesse der inneren Uhr beeinflusst werden, ist allerdings bisher auch nicht gut untersucht.

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