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Nager: Taschenratten betreiben Wurzelfarmen

Sie düngen und ernten Wurzeln, die in ihre Tunnel ragen. Die Rede ist von der Südöstlichen Taschenratte, die mit einer Art Ackerbau für ausreichend Nahrungsnachschub sorgt.
Eine Taschenratte aus der Familie der Geomyidae.
Eine Taschenratte aus der Familie der Geomyidae schaut aus ihrem Bau heraus. Die Tiere sind in den USA verbreitet.

Offenbar kultivieren nicht nur Menschen Nahrungspflanzen, auch manche Tierarten betreiben eine Art von Ackerbau. »Südöstliche Taschenratten sind die ersten nicht menschlichen Säugetierbauern«, sagt Francis Putz von der University of Florida in Gainesville laut einer Pressemitteilung. Die in den USA verbreiteten Taschenratten der Art Geomys pinetis nutzen unterirdische Wurzelfarmen, um ausreichend Nahrung und somit Energie fürs Graben zu gewinnen. Zusammen mit Veronica Selden von der University of Florida berichtetet Putz im Fachmagazin »Current Biology«, dass die untersuchte Südöstliche Taschenratte die Wurzeln düngt und selbst erntet.

Die Rattenart lebt in weitläufigen Systemen unter der Erde und ernährt sich hauptsächlich von Wurzeln, die in ihre Tunnel hineinwachsen. Laut den Forschenden ernten die Nager diese nicht nur, sondern bewirtschaften mit ihrem Kot als Dünger unterirdische Wurzelfelder. Auf diese Weise kann sich die Taschenratte während des Tunnelbaus weiterhin mit Nahrung versorgen und so zwischen 20 und 60 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs decken.

Die Taschenratten betreiben Feldpflege statt Feldbau

Die beiden Wissenschaftler sind sich bewusst, dass die Wurzelfarmen der Taschenratten nicht gänzlich dem Ackerbau des Menschen entsprechen. Die Nager würden nämlich keine Pflanzen anbauen, sondern sie lediglich pflegen. Es sei demnach eine Frage der Definition, die nach Ansicht von Putz nicht zu eng gefasst werden sollte. Denn auch »viele Kulturen auf der Welt entwickelten eine Landwirtschaft, die auf mehrjährigen Pflanzen beruht, von denen viele nicht gepflanzt, sondern gepflegt wurden«.

Seine Kollegin Veronica Selden hofft, dass ihre Studie eine größere Plattform für die noch wenig erforschten Tiere schaffe. »Taschenratten sind viel interessanter, als man ihnen zutraut«, sagte die Zoologin. »Sie sind wirklich wichtige Ökosystemingenieure.« Ein derartiges Verhalten, wie es Selden und Putz nun für die Taschenratten entdeckt haben, ist bisher von Insekten wie Ameisen, Käfern und Termiten bekannt. So bauen Blattschneiderameisen Pilze an. Dazu zerkauen sie Blätter, auf denen dann die Pilze gedeihen. (dpa/kas)

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