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Die dunkle Seite der Perfektion: Perfektionismus mit Narzissmus-Faktor belastet die Beziehung

Wer sich für unfehlbar hält und auch vom Partner Perfektion erwartet, riskiert Stress und Streit. Dabei könnte ein psychologischer Hebel die negativen Folgen deutlich mildern.
Eine Frau in einem blauen Pullover gestikuliert mit erhobenem Zeigefinger und spricht mit einem Mann in einem grünen Pullover, der die Arme verschränkt hat. Der Hintergrund ist einfarbig orange. Die Szene deutet auf eine Diskussion oder Meinungsverschiedenheit hin.
Zu wenig Geduld mit dem Partner kann die Beziehung gefährden.

Menschen mit sogenanntem narzisstischem Perfektionismus – der Erwartung, dass andere ihre hohen Ansprüche erfüllen – sind tendenziell stärker psychisch belastet und unzufriedener in ihrer Partnerschaft. Entscheidend scheint aber zu sein, wie gut sie mit Wut umgehen können: Wer seinen Ärger im Griff hat, leidet offenbar weniger unter diesen Effekten. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Personality and Individual Differences« erschienen ist.

Forschende um die Psychologin Servet Kaçar-Başaran von der Pamukkale-Universität in der Türkei befragten dafür 493 Erwachsene, die seit mindestens sechs Monaten in einer festen Beziehung lebten. In einem Onlinefragebogen erfasste das Team unter anderem das Ausmaß an narzisstischem Perfektionismus.

Es versteht darunter eine Haltung, bei der sich Menschen überlegen fühlen und von anderen Fehlerlosigkeit erwarten. Außerdem erhoben die Forschenden die psychische Belastung – etwa Stress, Angst und Depressivität –, die Zufriedenheit in der Beziehung sowie den Umgang mit der eigenen Wut. Anschließend wertete es aus, wie diese Faktoren zusammenhängen.

Frustrationstoleranz gefragt

Je ausgeprägter der narzisstische Perfektionismus, desto stärker war im Schnitt die psychische Belastung und desto geringer die Zufriedenheit mit der Partnerschaft. Auffällig war, dass der Umgang mit Wut einen wichtigen Unterschied machte. Wer bei Frust schnell an die Decke ging, war besonders stark betroffen. Wer seinen Ärger hingegen gut regulieren konnte, kam deutlich besser zurecht – bei diesen Menschen fiel der negative Einfluss der überhöhten Ansprüche an den Partner oder die Partnerin teils sogar weg.

Die Studie deutet darauf hin, dass für eine harmonische Liebesbeziehung nicht nur Persönlichkeitszüge zählen, sondern auch der Umgang der Partner mit Emotionen. Gerade bei ausgeprägtem Perfektionismus könnte es helfen, gezielt Strategien zur Emotionsregulation einzuüben. Für Therapie und Paarberatung heißt das: Nicht nur an hohen Erwartungen arbeiten, sondern auch daran, den Ärger über die vermeintlichen Schwächen des anderen besser zu kontrollieren.

  • Quellen
Kaçar-Başaran, S., Karaca, S., Personality and Individual Differences 10.1016/j.paid.2026.113822, 2026

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