Naturphänomen: Das Tal des Todes blüht auf

Der Winter 2025/26 war im Westen der Vereinigten Staaten teilweise so feucht, dass er alte Seebecken aus der letzten Eiszeit wieder zeitweise mit Wasser füllte. Bei vielen Menschen weckte dies Hoffnungen, dass das Nass ausreicht, um ein spektakuläres Naturphänomen auszulösen: die sogenannten Superblüten, die nach ausreichend ergiebigen Winterniederschlägen die Wüsten der Region in ein buntes Blumenmeer verwandeln. Und tatsächlich vermeldet der Death-Valley-Nationalpark das beste Blühereignis seit 2016. Flächendeckend tauchen Pflanzen wie die Wüstensonnenblume (Geraea canescens), Braunaugenprimel (Chylismia claviformis) oder Sandwunderblume (Abronia) die Region in gelbe, weiße oder rosa gefärbte Blütenmeere.
In tieferen Lagen soll die Blüte dem Park zufolge noch bis Mitte oder Ende März 2026 andauern, höhere Lagen folgen von April bis Juni – sofern keine ausgeprägte Hitzewelle die Pflanzen vorzeitig welken lässt. Der Höhepunkt in den zentralen Bereichen des Death Valley könnte zudem noch bevorstehen, da viele Blüten noch nicht aufgegangen sind. Der sonst so karge Nationalpark erstrahlt dadurch besonders bunt, da Millionen Blütenpflanzen den Talboden und die Hänge überziehen. Neben den Blüten lockt auch die Wasserfläche des Lake Manly Besucher an: Er erstreckt sich über die tiefsten Stellen des Tals, wo während trockener Zeit Salzkrusten dominieren. Er ist zwar nicht so tief wie in anderen Jahren nach Starkregenereignissen, doch reicht er an manchen Stellen bis ans Knie von Menschen, die ins Wasser waten.
Superblüten können in vielen Wüstengebieten der Erde auftreten – selbst aus der meist knochentrockenen Atacama in Chile sind derartige Ereignisse bekannt. Sobald die Böden ausreichend durchfeuchtet sind, entwickeln sich die daran angepassten Pflanzen und treiben rasch bis zur Blüte aus. Ihre Samen sind von einer dicken Schale oder Wachsschicht umgeben, mit der sie teilweise jahrzehntelang im Wüstenboden überdauern können, bis sie wieder gut bewässert werden.
Während die Pflanzen mit diesen Wetterextremen gut umgehen können, werden Besuchermassen dagegen für sie zum Problem. Zehntausende Besucher strömten 2019 beispielsweise in den Lake Elsinore Canyon in Kalifornien, um dort das orange gefärbte Meer aus Kalifornischem Mohn zu betrachten, was nicht nur für ein örtliches Verkehrschaos sorgte. Viele Besucher laufen auf der Suche nach dem besten Fotomotiv mitten durch die Wiesen, zertrampeln dabei die Pflanzen und verdichten den Boden – was auf Dauer das Spektakel zerstört. Die Parkverwaltung von Death Valley bittet daher auch um Rücksicht auf die Blumen. An anderer Stelle wurden Parks zum Schutz der Pflanzenwelt geschlossen.
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