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Meisterhafte Navigation: Jede Biene fliegt ihre ganz persönliche Route

Bienen navigieren erstaunlich präzise, wie ein Feldversuch ergab. Die Insekten halten sich fest an ihre persönlichen Routen. Dabei legten ihre eher mauen Kommunikationskünste im Schwänzeltanz bisher das Gegenteil nahe.
Eine Biene mit Pollen an den Hinterbeinen fliegt zu lila Blüten, die im Vordergrund unscharf sind. Der Hintergrund ist grün und verschwommen, was die Biene hervorhebt.
Eine Honigbiene (Apis mellifera) im Anflug auf der Ostfriesischen Insel Norderney. Das Experiment, das die Navigationskünste der Insekten untersuchte, fand jedoch in Baden-Württemberg statt.

Fliegen Honigbienen zum Futtersammeln aus, folgen sie erstaunlich präzise ihren bevorzugten Routen. Dabei schlägt jedes der Insekten eigene Flugbahnen ein, wie Andrew Straw von der Universität Freiburg und sein Team im Fachblatt »Current Biology« berichten. Anders als die eher ungenauen Richtungsangaben im Schwänzeltanz bisher vermuten ließen, ist der räumliche Orientierungssinn der Tiere demnach sehr genau ausgebildet.

Ihre Studie führten die Forschenden in einer Agrarlandschaft bei Ihringen am Kaiserstuhl im Südwesten Baden-Württembergs durch. Im Umfeld des Versuchsbienenstocks gab es Hecken und ein Maisfeld. Zudem blockierte ein Baum beim Bienenstock den Weg der Honigbienen (Apis mellifera) zu ihren 122 Meter entfernten Futtergründen.

Die Fachleute rüsteten die Insekten mit winzigen Reflektoren aus, die sie von einer Drohne aus anpeilten. Auf diese Weise konnten sie den Weg der Bienen räumlich und zeitlich genau erfassen. Die anschließende Analyse von 255 Flugrouten, die 26 Bienen hin und zurück abschwirrten, ergab, »dass jede Biene ihre eigene bevorzugte Route hat und diese sehr genau abfliegt«, erklärt Neuro- und Verhaltensbiologe Straw in einer Pressemitteilung. »Man könnte fast sagen, jede Biene besitzt ihre eigene Persönlichkeit.«

So hätten manche Tiere den Baum eng umflogen, andere wiederum einen kleinen Umweg eingeschlagen: Sie schlüpften durch eine Lücke in der Hecke neben dem Baum, umflogen oder überquerten diese, um zur Futterquelle zu gelangen. Dabei wählten einige Bienen beim Abflug vom Bienenstock zwischen mehreren Routen. Während des Rückflugs behielten sie aber fast alle den zuvor gewählten Weg um den Baum herum bei.

Landschaftsmerkmale helfen bei der Navigation

Grundsätzlich hielten sie bei ihren Flügen allerdings dieselbe Bahn ein und wichen nur wenige Zentimeter davon ab. Besonders stark jedoch dann, wenn die Umgebung gleichförmig aussah, wie im Maisfeld. Dem markanten Baum wichen sie hingegen immer gleich präzise aus. Ob die Unterschiede im Hin- und Rückflug auf der Lage markanter Landschaftsmerkmale beruhten, müssten weitere Forschungen zeigen.

Koordinierter Flugverkehr | Die Flugrouten der einzelnen Bienen sind in unterschiedlichen Farben dargestellt. Unterhalb des Baums (Bildmitte) liegt der Bienenstock, links davon die Hecke. Im oberen Bildabschnitt befindet sich die Futterquelle.

Dass die Tiere derart genau navigieren, war bislang nicht bekannt. Zumal der Schwänzeltanz, mit dem Bienen ihren Kolleginnen den Weg zu Futterquellen weisen, große Abweichungen vom tatsächlich geflogenen Weg aufzeigen kann. Das scheint jedoch weder mit dem Erinnerungsvermögen noch mit dem Orientierungssinn der Tiere zusammenzuhängen. Offensichtlich sind Bienen hervorragende Navigatoren – manche von ihnen aber womöglich durchaus schlechte Tänzer.

Offen bleibt, so die Fachleute um Straw in ihrer Studie, ob die Wahl der Flugrouten und das Tanztalent der einzelnen Honigbienen in Zusammenhang stehen. Das könnten weitere Untersuchungen zeigen.

  • Quellen
Stentiford, R. et al., Current Biology 10.1016/j.cub.2026.01.045, 2026

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