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Frühmenschen: Neandertaler in Sibirien

Johannes Krause
Die Spur des Neandertalers verliert sich in Richtung Osten – obwohl es an fossilen Überresten eigentlich nicht mangelt. Da die Fundstücke allerdings nur unvollständig erhalten sind, lassen sie sich oft nicht eindeutig zuordnen. Das macht es schwierig, das Verbreitungsgebiet unseres engsten Verwandten unter den Frühmenschen klar einzugrenzen.

Forscher um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig prüften daher jetzt die genetische Ähnlichkeit europäischer Neandertaler mit Hominiden aus Asien: zwei Erwachsenen aus der Okladnikow-Höhle im Altai-Gebirge in Südsibirien nahe der Mongolei und dem so genannten Jungen von Teshik Tash in Usbekistan. Dieser hatte bisher die mutmaßliche Ostgrenze des Lebensraums von Homo neanderthalensis markiert.

Aus seinem linken Oberschenkelknochen sowie aus Oberarm- und Fingerknochen der sibirischen Frühmenschen isolierten die Wissenschaftler die Mitochondrien-DNA (mtDNA) und sequenzierten sie. Das Ergebnis verglichen sie mit den bislang 13 entzifferten europäischen mtDNAs. Wie sich zeigte, liegen die Sequenzen eines der beiden sibirischen Erwachsenen und des Jungen von Teshik Tash innerhalb der Variationsspanne des hiesigen Neandertalers. All diese Hominiden gehörten folglich derselben Art an. Anatomische Studien hatten das zwar zuvor schon vermuten lassen, aber nicht eindeutig beweisen können.

Der Neandertaler ist somit – vermutlich durch eine Warmzeit vor etwa 125000 Jahren begünstigt – bis nach Sibirien vorgestoßen. Die Grenze seines Verbreitungsgebiets muss also 2000 Kilometer ostwärts verschoben werden.

Christoph Marty

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