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Meeresbiologie: Neue Algengruppe entdeckt: Picobiliphyta

Eine internationale Forschergruppe hat eine bisher unbekannte Gruppe von Algen identifiziert. Wie die Forscher um Linda Medlin vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und Fabrice Not vom Institut für Meeresforschung in Barcelona berichten, handelt es sich bei den Algen um Vertreter des kleinsten pflanzlichen Planktons, dem Picoplankton. Auf Grund ihrer Größe von nur wenigen tausendstel Millimetern und dem Vorkommen einer Pigmentgruppe, den so genannten Phycobiliproteinen, gaben die Forscher ihnen den Namen Picobiliphyta.

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Picobiliphyta | Fluoreszenz-mikroskopische Aufnahme einer Picobiliphyta-Zelle: Der Zellkern wurde blau angefärbt und das Zytoplasma grün. Die rote Fluoreszenz stammt von einem Plastiden mit Phycobiliproteinen, Pigmenten, die sonst nur in Rotalgen, Cyanobakterien und Cryptophyceen vorkommen. Die Zelle ist etwa zwei mal fünf Mikrometer groß.
Die Wissenschaftler nutzen bei ihrer Arbeit Gensequenzen des in allen Zellen vorkommenden 18S-Genes ribosomaler DNA. Durch den Vergleich von unbekannten mit schon bekannten Gensequenzen lässt sich die Identität neuer Organismen ableiten. "Die in den Algen gefundenen Gensequenzen ließen sich keiner der bisher bekannten Organismengruppen zuordnen", erläutern Linda Medlin und Kollege Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut. Die untersuchten Algen stammen von Planktonproben aus verschiedenen Bereichen des Nordatlantiks sowie aus dem Mittelmeer. Die in den Algen identifizierten Phycobiliproteine kommen zum Beispiel auch in Rotalgen als Farbstoffe vor. Bei der neu entdeckten Algengruppe finden sich diese Phycobiliproteine allerdings in den Plastiden, dem Ort der Fotosynthese. Dies war bisher von keiner Algenart bekannt.

Die Fotosynthese in den Meeren macht etwa fünfzig Prozent der weltweiten Fotosynthese aus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu neunzig Prozent der Arten des Phytoplanktons noch unbekannt sind. In der vorliegenden Arbeit untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe molekularer Techniken die kleinsten Mitglieder des Planktons, das Picoplankton. Durch die geringe Größe des Picoplanktons lassen sich die Organismen nur schlecht mit einem Mikroskop untersuchen oder identifizieren.
12.01.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12.01.2007

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