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Biodiversität: Neue Art ist der größte Salamander

Es gibt nicht nur einen Chinesischen Riesensalamander, sondern drei verschiedene Arten. Der längste wird bis zu zwei Meter lang.
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Der Chinesische Riesensalamander ist in der Wildnis selten geworden. Ein Team um Samuel Turvey von der Zoological Society of London tat sich daher leichter, Museumsexponate des Tieres zu untersuchen – und stellte fest, dass es sich dabei nicht um eine, sondern um drei Arten handelt. Eine von diesen ist nun die größte bisher bekannte Amphibienart, schreiben die Forscher im Fachmagazin »Ecology and Evolution«.

Für die Studie analysierten sie das Erbgut von Ausstellungsstücken aus dem 20. Jahrhundert: Sie extrahierten von 17 Tieren die DNA aus Mitochondrien, die in einer höheren Kopienzahl vorliegt als genomische DNA und somit ausreichende Mengen an Material liefert. Die vermeintliche Salamanderart entpuppte sich dabei als drei verschiedene Spezies: der schon bekannten Andrias davidianus, einer insgesamt größeren, Andrias sligoi, sowie einer dritten Art, die noch keinen Namen trägt. Von ihr fanden Forscher bisher nur Gewebsstücke.

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Andrias sligoi | So sieht der Südchinesische Riesensalamander aus.

Bereits 1920 hatten Wissenschaftler eigentlich mehrere Arten des Salamanders benennen wollen – vor allem mit Blick auf ein besonders ungewöhnliches Exemplar des Riesensalamanders, das damals im Londoner Zoo lebte. Die Idee wurde dann wieder verworfen. Zu Unrecht, wie die neue Studie zeigt, bei der auch das inzwischen präparierte Exemplar von 1920 untersucht wurde, das mittlerweile im Natural History Museum steht. Dabei handelt es sich um Andrias sligoi, eine Art, die bis zu zwei Meter lang werden kann und damit die größte Amphibie ist, die jemals gelebt hat, vermuten die Autoren.

Die Riesensalamanderarten entstanden wahrscheinlich vor 3,1 bis 2,4 Millionen Jahren, sagt der Studienleiter Samuel Turvey in einer Pressemitteilung. Zur gleichen Zeit hat das tibetische Plateau in China sich rapide angehoben und Bergketten aufgeworfen. Diese könnten die Riesensalamander-Populationen geteilt haben, vermuten die Wissenschaftler.

Kryptische Arten sehen gleich aus, sind aber genetisch unterschiedlich genug, um eine eigene Spezies zu bilden. Durch DNA-Analysen finden Forscher also immer mal wieder neue Arten: etwa einen Zwergtapir, eine brasilianische Katze oder eine Zwergohreule.

Heutzutage sind wilde Riesensalamander in China vom Aussterben bedroht. Die Zahlen gehen stark zurück – denn sie gelten dort als Delikatesse. Die Zoological Society of London möchte die Riesensalamander schützen und darauf aufmerksam machen, wie sehr die Tiere bedroht sind. Unterstützt werden sie dabei von einem Salamander-Botschafter in eigener Sache, den man heute im Londoner Zoo besuchen kann. Er gelangte auf ungewöhnlichem Weg dorthin: Jemand versuchte im Jahr 2016, vier jugendliche Tiere nach England zu schmuggeln. Die Grenzkontrolle fand die Tiere – und brachte sie in den Zoo.

38/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 38/2019

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