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News: Neue Arten 'en gros'

Die Entdeckung neuer Insektenarten - das gibt's doch nur im tropischen Regenwald, zum Beispiel in Brasilien, oder vielleicht noch in abgelegenen Gebieten Sibiriens. Weit gefehlt. Vor den Toren Zürichs wurden jetzt rund zwanzig neue Fliegen- und Mückenarten entdeckt, die der Wissenschaft bisher nicht bekannt waren. Um die Insekten zu bestimmen, arbeiteten mehr als dreißig Experten im In- und Ausland.
Außerdem wurden von der Wissenschaftlerin der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmersdorf über fünfzig Fliegen- und Mückenarten zum ersten Mal in der Schweiz gefunden. Ins Netz gegangen waren die Insekten der Biologin Karin Schiegg im Sihlwald, der als Naturlandschaft weitgehend sich selbst überlassen ist. Er stellt den größten zusammenhängenden Laubmischwald des Mittellandes dar. Auf einer Fläche von 1000 Hektar soll hier wieder eine ursprüngliche Waldlandschaft entstehen.

Die Forscherin führt im Sihlwald eine Untersuchung über diejenigen Fliegen, Mücken und Käfer durch, die auf abgestorbenes Holz, sogenanntes Totholz, angewiesen sind. Viele dieser Arten sind in der Schweiz vom Aussterben bedroht oder sogar ausgestorben. Dabei sind sie für den Lebensraum Wald von großer Bedeutung – sie bauen das tote Holz ab und machen die darin enthaltenen Nährstoffe für die Pflanzen wieder verfügbar.

Karin Schiegg wollte herausfinden, wie die Menge und Anordnung des Totholzes die Artenzahl und die Häufigkeit der Insekten beeinflußt. Da der Sihlwald verglichen mit anderen Wäldern viel Totholz enthält, eignet er sich besonders gut für eine solche Untersuchung.

Bisher konnten rund 1100 Fliegen- und Mückenarten und über 500 Käferarten identifiziert werden, darunter auch die bisher unbekannten Arten. Zum Vergleich: In der Schweiz wurden bisher rund 6100 Fliegen- und Mückenarten und etwa 6300 Käferarten nachgewiesen. Dabei entwickeln sich in den toten Ästen der Buchen mehr Insektenarten als in den toten Stämmen. Massenvermehrungen von Forstschädlingen konnten nicht beobachtet werden.

Auf der Grundlage der Sihlwald-Untersuchung sollen Empfehlungen ausgearbeitet werden, wo wieviel Totholz im Wald verbleiben soll. Schon jetzt hat sich gezeigt, daß das Liegenlassen dicker Äste die Artenvielfalt wesentlich fördert.

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