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News: Neue Medikamente verbessern Erfolg von Organtransplantationen

Monoklonale Antikörper können das Ausmaß der Abstoßungsreaktion nach Organtransplantationen erheblich reduzieren. Die Moleküle wirken als Immunsuppressoren.
Ein großes Problem bei einer Transplantation sind die Abstoßungsmechanismen, über die unser Immunsystem verfügt. Es erkennt das neue Organ als fremd und wehrt sich. Um dies zu umgehen, wird das Immunsystem medikamentös unterdrückt – Mediziner sprechen von „Immunsuppression”. Oft müssen Patienten ein Leben lang mit solchen Medikamenten behandelt werden. Dabei gilt stets: So viel wie nötig der entsprechenden Therapeutika verabreichen, um eine akute Abstoßung zu verhindern; gleichfalls aber so wenig wie möglich, um Nebenwirkungen zu vermeiden und Infektionen nicht Tür und Tor zu öffnen. Von einem solchen „idealen” Mittelweg war die Wissenschaft bislang noch ein gutes Stück entfernt.

Privatdozent Dr. Bjoern Nashan und seine Arbeitsgruppe von der Klinik für Abdominal- und Transplantationschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) war massgeblich an der Entwicklung neuer Medikamente beteiligt, die einen kleinen, bei einer Transplantation jedoch entscheidenden, Teil der körpereigenen Abwehr ausschalten. Entscheidend ist folgendes: Für die Abstoßung sind vor allem sogenannte T-Lymphozyten verantwortlich, sie gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen. Auf der Oberfläche der T-Lymphozyten sitzen Rezeptoren, die von Interleukin 2, einem Botenstoff dieser Zellen, stimuliert und zur Vermehrung angeregt werden. Im Verlauf einer Abstoßungsreaktion wird immer weiter Interleukin 2 gebildet, immer mehr Rezeptoren entstehen. Was folgt, ist ein Kreislauf im Sinne einer ununterbrochenen „Selbststimulation”: fatal für den Patienten. Die Wissenschaftler untersuchten nun monoklonale Antikörper, die spezifisch an diesen Rezeptortyp binden. Ergebnis: Die Rezeptoren werden blockiert, die T-Lymphozyten können keine weiteren Signale empfangen, ein Teil des Abwehrsystems ist ausgeschaltet, die Abstoßung erschwert.

Die monoklonalen Antikörper – es sind zwei verschiedene – wurden bereits in internationalen klinischen Studien unter Federführung der MHH bei etwa 500 Patienten in der Frühphase nach einer Nierentransplantation eingesetzt. Die Ergebnisse haben die Erwartungen übertroffen. Es traten deutlich weniger Abstoßungsreaktionen auf: Nur noch halb so viele Patienten verloren ihr Transplantat, ohne daß zugleich ein Anstieg an Infektionen beobachtet wurde und ohne daß es zu den sonst so gefürchteten Nebenwirkungen kam. Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß mit den neuentwickelten Antikörpern ein bedeutender Schritt in Richtung auf eine spezifischere, wirksamere und zugleich besser verträgliche Immunsuppression gemacht wurde.

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