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Medizinische Richtlinien: Neue Richtwerte für Blutdruck und Cholesterin zu niedrig?

Die neuen europäischen Grenzwerte für Blutdruck und Cholesterin bereiten Gesundheitsexperten Kopfschmerzen. Denn nach diesen gilt beim Blutdruck der Wert 140/90 Millimeter Quecksilbersäule und ein Serum-Cholesterinwert von 5 Millimol pro Liter als oberes Limit – unabhängig vom Alter des Patienten. Personen, deren Werte diese Grenze überschreiten, gelten den Richtlinien zufolge als krank und behandlungsbedürftig.

Nur: Dies trifft auf neunzig Prozent aller Menschen über 49 zu – was wiederum bei strenger Auslegung der Richtlinien immense Kosten für das Gesundheitswesen nach sich zöge, warnen Steinar Westin von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim und die Allgemeinmedizinerin Iona Heath aus London.

Sie berufen sich auf eine Studie, bei der Forscher die neuen EU-Risiko-Richtlinien auf die norwegische Bevölkerung angewendet hatten. Dabei stellten sie fest, dass die Hälfte der Norweger schon ab 24 Jahren zu hohe Werte aufweist und demnach als Risikokandidaten für Herz- und Kreislauferkrankungen behandelt werden müssten. Bei den 49-Jährigen waren es schon rund neunzig Prozent. In anderen Ländern – etwa Großbritannien – ist mit noch höheren Werten zu rechnen, vermuten die Forscher.
25.06.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25.06.2005

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