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News: Neue Waffe gegen Parkinson

Noch gibt es keine wirklich gute Therapie gegen die Parkinsonsche Krankheit. In Versuchen an Ratten haben spanische Wissenschaftler entdeckt, daß bestimmte Drüsenzellen aus dem Hals die Unterversorgung mit Dopamin ausgleichen können, wenn sie in das Gehirn verpflanzt werden.
Die Zellen stammen aus einem kleinem Organ im Hals, der Karotisdrüse. José López-Barneo und seine Kollegen von der University of Sevilla haben einige von ihnen in die Hirne von Ratten transplantiert, wodurch die parkinsonartigen Symptome der Tiere verschwanden (Neuron vom Februar 1998).

Die Karotisdrüse befindet sich an der Halsschlagader. Sie signalisiert dem Hirn, die Atmung zu forcieren, wenn die Sauerstoffkonzentration im Blut zu sehr abfällt. López-Barneo interessierte sich vor allem dafür, wie die Zellen der Karotisdrüse merken, wann dies der Fall ist. Doch seine Kollegen, so erinnert er sich, wiesen immer wieder darauf hin, daß diese Zellen hervorragende Kandidaten seien, um sie in die Gehirne von Parkinson-Patienten einzupflanzen und so deren Dopaminmangel zu kompensieren. Die Bewegungsprobleme sowie andere Symptome der Krankheit beruhen nämlich auf dem Tod von Neuronen. Diese befinden sich in einem Gehirnteil, der als substantia nigra bezeichnet wird und der den Neurotransmitter Dopamin produziert. Die Zellen der Karotis-Drüse wiederum erzeugen sehr viel Dopamin und könnten deshalb den Verlust der normalen Produzenten ausgleichen.

Um diese Therapiemöglichkeit zu überprüfen, griff das Team aus Sevilla zu einem verbreiteten Tiermodell zur Untersuchung potentieller Parkinson-Therapien. Dazu wurden die Neuronen der substantia nigra auf der einen Seite der Rattenhirne abgetötet. Die Tiere entwickelten ein Bewegungsungleichgewicht, das sie im Kreis laufen und weitere Symptome auftreten ließ. Dann transplantierten die Forscher Teile der Karotisdrüse in die geschädigte Seite der Rattenhirne und entdeckten, daß die Transplantate nicht nur überlebten, sondern sogar die Symptome der Tiere aufhoben, einschließlich des Bewegungsungleichgewichts. Es gab außerdem Anhaltspunkte dafür, daß die Zellen vielleicht Wachstumsfaktoren produzieren, die die verbleibenden substantia nigra veranlassen, neue Verbindungen auszubilden.

Der Neurowissenschaftler Arnon Rosenthal, der bei Genentech Inc. im Süden von San Francisco an Parkinson-Therapien arbeitet, hält die Ergebnisse für vielversprechend. Doch die Zellen der Karotisdrüse müssen noch viel mehr Tests bestehen, bevor die Forscher auch nur daran denken können, sie versuchsweise an Patienten einzusetzen. Trotzdem, so Rosenthal, könnten sie gegenüber einer anderen möglichen Therapie, der Transplantation von Fötusneuronen, einen Vorteil haben. Karotis-Zellen produzieren sehr viel Dopamin – bis zu 45 Mal mehr als fötale Neuronen – und gedeihen in den relativ geringen Sauerstoffkonzentrationen im Gehirn. Deshalb, so erklärt Rosenthal, könnten sie Parkinson-Symptome besser korrigieren als Fötuszellen. Und schließlich werfen Karotis-Zellen weniger ethische Bedenken auf.

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